Zurück zur Vorstellung der Auswahl 2023 beim DratikerInnenfestival Graz.
Dank der Förderung durch den Deutschen Literaturfonds konnten wir an die Übersetzerinnen der Auswahl 2023 eine finanzielle Hilfe von jeweils 1200 Euro für eine weitere Theaterstückübersetzung aus der Herkunftssprache des Auswahlstückes auszahlen. Die Übersetzungsvorhaben sind im Folgenden aufgeführt. Wir bedanken uns herzlich beim Deutschen Literaturfonds für die Förderung.
Barbara Buri
Übersetzung aus dem Niederländischen:
Freek Mariën, De Gemoedereren [Aufruhr]
Der VERLAG DER AUTOREN fasst zusammen :
Ein Ort wie viele, in einer abgehängten Gegend am Meer. Die Fabriken sind stillgelegt, die Männer frustriert – mit Konsequenzen. Denn wie die offiziellen Zahlen und die Schlagzeilen belegen, nehmen die Fälle von Gewalt gegen Frauen rasant zu. In dem „Turm“ kommen darum einflussreiche Männer und die Wirtschaftsministerin zusammen, um zu beratschlagen, wie sich dieses Problem aus der Welt schaffen lässt. Die eleganteste Lösung lautet schließlich: Die Frauen werden auf eine Insel verbannt. Mit verheerenden Folgen.
AUFRUHR ist erschreckend und komisch, gegenwärtig und dystopisch zugleich. Es entlarvt eine patriarchale Gesellschaft, die auf Hierarchien, Machtmissbrauch und Bigotterie gründet, deren Fundamente sich aber bereits in Auflösung befinden. Was auch in der Besetzung angelegt ist, denn alle Rollen sollen von Frauen gespielt werden.
Stefanie Gerhold
Übersetzung aus dem Spanischen:
Max Aub, De algún tiempo a esta parte [Vor nicht allzu langer Zeit]
März 2024: Die Übersetzung ist fertiggestellt. Lesen Sie dazu einen Beitrag auf unserer Homepage.
Die Literarische Agentur Balcells hat bestätigt, dass die deutschsprachigen Rechte an dem Stück frei sind. Zudem kann die Übersetzerin in ihrem Vorhaben auf die Unterstützung der Agentur zählen.
Begründung der Auswahl der Übersetzung siehe unten.
Franziska Muche
Übersetzung aus dem Spanischen in Absprache mit der Autorin:
María Velasco, Primera Sangre [Erstes Blut]
Entstehung/ Publikation: 2021/2023. Verlag: La Uña Rota. Premiere: 24/04/2024, Centro Dramático Nacional (Madrid); Premiere Katalonien: Teatro Nacional de Catalunya, September 2024. Preise: XXXI Premio SGAE de Teatro Jardiel Poncela 2022
Die Übersetzerin verfügt über die Erlaubnis der Rechteinhaberin für die Übersetzung des Stückes ins Deutsche.
Die Übersetzerinnen werden die Übersetzungen mit einem Hinweis auf die Förderinstitution versehen (Deutscher Literaturfonds, vermittelt über das Deutschsprachige Komitee EURODRAM).
Gefördert durch:

Begründung und erläuterung der Übersetzungsentscheidung
Bei der Podiumsdiskussion am 24.06.2023 haben Stefanie Gerhold und Franziska Muche ihre Übersetzungsentscheidungen erläutert. Dokumentation Lorena Pircher.
Stefanie Gerhold
Stefanie Gerhold ist nach längerer Überlegung sehr glücklich, einen Text gefunden zu haben, der sie persönlich wieder zutiefst berührt, der es ermöglicht, „eine nachgeholte Gegenwart umzusetzen”. Es handelt sich um einen Monolog des Schriftstellers Max Aub, der vor bereits 50 Jahren in Mexiko verstorben ist. Aus einer französisch-deutschen jüdischen Familie stammend, die im Ersten Weltkrieg nach Valencia, Spanien, umgezogen ist, hat er Zeit seines Lebens auf Spanisch geschrieben. Der Monolog, den Stefanie Gerhold übersetzen wird und der den Titel “Vor nicht allzu langer Zeit” tragen wird, spielt 1938 in Wien und handelt von Emma, einer Jüdin, die alles verloren hat und nun in einem Theater putzt. Sie erzählt ihre Geschichte.
Dies ist erneut ein Text, der sich intensiv mit dem Holocaust befasst, wie auch “Himmelweg”. Auch Max Aubs Stück wird, wie jenes von Juan Mayorga, für Stefanie Gerhold die Besonderheit haben, dass es aus dem Spanischen in ein “nie geschriebenes deutsches Original” zurückübertragen werden wird, da nationalsozialistische Ausdrücke aus der deutschen Sprache stammen und Max Aub und Juan Mayorga für diese Ausdrücke eines sehr dunklen Kapitels der Menschheitsgeschichte eine gewissermaßen imaginierte spanische Kunstsprache erschaffen mussten.
Franziska Muche
Franziska Muche wird das neue Stück von María Velasco González übersetzen, das auf Deutsch “Erstes Blut” heißen wird, im Spanischen Original “Primera Sangre”. Es behandelt ein sehr aktuelles, ein starkes und tief berührendes Thema: Es geht um einen Mädchenmord, aber auch um ein patriarchales und angstbasiertes Beziehungsgeflecht, das auch autobiographische Züge aus dem Leben der Autorin aufweist.
