BERICHT: Konferenz der Eurodram Sprachenkomitees / EURODRAM GA 2023, 10./11. November 2023 in Berlin

Foto © Volha Karankevich-Koch / unknown citizen of Berlin, 10.11.2023; v. l. n. r.: Nicole Desjardins (Deutsch); Viviane Boulan (Französisch); Iljana Hubenova (Bulgarisch); Johanna Leira (Norwegisch); Maia Simonishvili (Georgisch); Mirza Metin (Kurdisch); Dominique Dolmieu (Französisch); Volha Karankevich-Koch (Deutsch); Neda Nejdana (Ukrainisch); Wolfgang Barth (Deutsch); Gergana Dimitrova (Bulgarisch); Blazena Radas (Deutsch); Elisabeth Schuster (Deutsch); Aleksandra Lukoszek (Deutsch); Gilles Boulan (Französisch); Nuno Cardoso (Portugiesisch); Maria Kroupnik (Russisch); Dávid Szabó (Ungarisch); Liisi Aibel (Estländisch); Charlotte Bomy (Deutsch) war beim Fototermin wegen wichtiger Organisationsaufgaben nicht anwesend.
Bericht: Wolfgang Barth 
LINK ENGLISH VERSION    Link Ankündigung und Programm

Am 10. und 11. November 2023 fand in Berlin die Konferenz der EURODRAM-Sprachenkomitees / EURODRAM GA 2023 statt. Tagungsorte waren das Deutsche Zentrum des Internationalen Theaterinstituts (ITI) und das Theater Aufbau Kreuzberg (tak).  Kultureller Schwerpunkt war das kurdische Theater.

Förderung des deutsch-französischen Organisationsteams über den DEUTSCH-FRANZÖSISCHEN BÜRGERFONDS / FONDS CITOYEN FRANCO-ALLEMAND

Foto © Maria Kroupnik, 10.11.2023; v.l.n.r.:  Viviane Boulan (F), Mirza Metin (D), Nicole Desjardins (F), Dominique Dolmieu (F), Wolfgang Barth (D). Gilles Boulan (F), Aleksandra Lukoszek (D), Elisabeth Schuster (D), Volha Karankevich-Koch (D), Johanna Leira (F), Charlotte Bomy (D) nicht auf dem Foto.

Organisiert und geleitet wurde die Konferenz vom deutschsprachigen und französischsprachigen Komitee. Sie wurde gefördert vom  Deutsch-Französischen Bürgerfonds / Fonds Citoyen Franco-Allemand, der damit eine Theaterbegegnung mit internationalem Charakter unter deutsch-französischer Federführung ermöglicht hat.

Wir bedanken uns herzlich beim Deutsch-Französischen Bürgerfonds / Fonds Citoyen Franco-Allemand.

Konferenz am 10. November 2023
Foto © Gilles Boulan: Ausschnitt aus der Konferenz im ITI, v.l.n.r.: Dominique Dolmieu (Französisch); Elisabeth Schuster (Deutsch); Wolfgang Barth (Deutsch); Volha Karanchevich-Koch (Deutsch); Aleksandra Lukoszek (Deutsch); Liisi Aibel (Estländisch); Johanna Leira (Norwegisch); Mirza Metin (Kurdisch); Maria Kroupnik (Russisch

Von den derzeit 28 Sprachenkomitees waren vertreten die KoordinatorInnen und VertreterInnen des bulgarischen, deutschen, estländischen, englischen (per Zoom), französischen, georgischen, kurdischen, norwegischen, portugiesischen, russischen, ukrainischen und ungarischen Komitees mit insgesamt 20 KonferenzteilnehmerInnen.

Die Arbeit der Sprachenkomitees
Foto © Elisabeth Schuster; links: Maria Kroupnik (Russisch); Charlotte Bomy (Deutsch), Blažena Radas (Deutsch), Nicole Desjardins (Französisch); rechts: Neda Nejdana (Ukrainisch); Gergana Dimitrova (Bulgarisch); Iljana Hubenova (Bulgarisch); Dávid Szabó (Ungarisch), Gilles Boulan (Französisch), Viviane Boulan (Französisch)

Bei der von den deutsch- und französischsprachigen KoordinatorInnen moderierten Konferenz wurde die Arbeit der Sprachenkomitees mit ihren spezifischen Bedingungen und Problemen vorgestellt und in der Diskussion nach Lösungen gesucht. Eine besondere Rolle spielten die anwesenden neuen und erneuerten Komitees (Estländisch, Georgisch), deren Vertreterinnen vor dem Hintergrund der Situation in ihren Ländern die EURODRAM-Aufgaben wahrnehmen möchten, und die ukrainischsprachigen und  russischsprachigen  Komitees mit ihren durch den Krieg extrem belasteten und eingeschränkten Möglichkeiten.

Die Berichte über die Stücke der Auswahlen 2024

Die Komitees berichteten auch über ihre Auswahlen 2023 (http://eurodram.org/selections/ ) und die Vorstellung der Stücke in ihren Ländern.

Foto © Dávid Szabó: Auszug aus dem Bericht des ungarischen Komitees
Das Plenum: Suche nach der Verbesserung der Stückezirkulation
Foto © Wolfgang Barth: Ausschnitt aus dem Plenum: Maia Simonishvili (Georgisch), Alexandra Lukoszek (Deutsch), Dávid Szabó (Ungarisch), Maria Kroupnik (Russisch), Viviane Boulan (Französisch), Nicole Desjardins (Französisch)
Foto © Wolfgang Barth: Iliana Hubenova (Bulgarisch), Charlotte Bomy (Deutsch), Nuno Cardoso (Portugiesisch), Liisi Aibel (Estländisch)

Bei einem Plenum am 10.11.2023 im Theater Aufbau Kreuzberg widmete sich die Konferenz der besonderen Problematik der sprachübergreifenden Zirkulation der Stücke und der dafür notwendigen Übersetzungen. Ziel ist die Erreichung einer jährlichen Routine, wie sie in der Diskussionsvorlage zum Plenum zum Ausdruck kommt, an der sich die Komitees orientieren:

Erreicht werden sollen folgende Ziele (in der Reihenfolge der Komplexität und des Anspruchs):

  1. Veröffentlichung eines Aufrufs und Erstellung einer jährlichen Auswahl nach den Regeln von EURODRAM und Komitee.
  2. Vorstellung der Auswahl in der Öffentlichkeit (Lesungen und/oder andere Präsentationsformen).
  3. Übersetzung der Stücke der Auswahl nach den Wünschen und Kapazitäten des Komitees in andere Sprachen des EURODRAM-Raumes durch eigene oder komiteeexterne ÜbersetzerInnen und Bemühung um Förderung dafür.

In den Jahren der Auswahl von bereits in die Komiteesprache übersetzten Stücken Bemühung um die geförderte Übersetzung weiterer Stücke aus der Herkunftssprache der Übersetzerinnen der Auswahlstücke entweder aus dem EURODRAM-Fundus oder in freier Auswahl der ÜbersetzerInnen.

  1. Nach der Stückeauswahl soll sich jedes Sprachenkomitee an andere Komitees mit folgenden Fragestellungen wenden:

a. Welche Stücke unserer Auswahl sollten in eure Sprache übersetzt werden?
b. Verfügt euer Komitee hierzu über komiteeinterne oder externe ÜbersetzerInnen?
c. Sollen wir uns um ÜbersetzerInnen bemühen?
d. Wie können wir gemeinsam behilflich sein, eine finanzielle Förderung der Übersetzungen zu erreichen?

Die Ergebnisse der Konferenz insgesamt werden auf der zentralen EURODRAM-Internetseite www.eurodram.org  unter dem Titel  „EURODRAM 2024 meeting report“ in Kürze veröffentlicht.

Das Kulturprogramm: Kurdisches Theater

Der im Rahmenprogramm gewählte kulturelle Schwerpunkt „Kurdisches Theater“ hatte seinen Ursprung in der Tatsache, dass die für 2022 vorgesehene EURODRAM Jahreshauptversammlung (GA) in Diyarbakır hätte stattfinden sollen (Südostanatolien, hauptsächlich kurdische EinwohnerInnen), kurzfristig aber als Online-Versammlung durchgeführt wurde. Das Programm 2023 sollte dafür ein wenig entschädigen. So waren aus Batman (Türkei, Nordkurdistan) das Theaterteam „Şermola Performans“ mit dem Stück „Mem û Zîn“ [Mem und Zîn] und aus Belgien und Hamburg das „BAN-Ensemble“ mit dem Stück „Qesra Balindeyên Xemgîn“ [Das Schloss der traurigen Vögel] angereist.

Qesra Balindeyên Xemgîn
Foto © BAN Theater: Qesra Balindeyên Xemgîn (QBX), Alan Ciwan, Hêja Netirk 

Um 18 Uhr am 10.11.2023 waren die ca. 80 vorgesehenen Plätze im Theater Aufbau Kreuzberg mit einem deutsch-französisch-kurdisch-internationalen Publikum voll besetzt und das Stück QBX (Regie Hüseyin Umaysız, mit Hêja Netirk und Alan Ciwan) wurde begeistert aufgenommen. Ein zusammenfassender Text auf Deutsch war zuvor gemeinsam gelesen worden. Das Stück verbindet eine alte kurdische Legende mit neuen historischen Ereignissen (z. B. Halabja Giftgasanschlag) und trifft so eine politische Aussage.

Mem û Zîn
Foto © Şemola Performans : Mehmet Arıtürk, Pelda Bal Demir, Kenan Demir

Das Stück Mem û Zîn stand unter einem unglücklichen Stern. Dem Schauspieler Mehmet Arıtürk war das Schengen-Visum verweigert worden, so dass sein Ersatz durch den Direktor Mirza Metin zusammen mit Pelda Bal Demir und Kenan Demir vorgesehen war. Auf der Reise ging eine der für das Stück wichtigsten Trommeln verloren. Als ein stetig noch weiter anwachsendes Publikum nach 20 Uhr ungeduldig den Einlass erwartete, wurde bekanntgegeben, dass das Stück wegen des Totalausfalles der durch das Team mitgeführten Lichttechnik abgesagt werden musste.

Podiumsdiskussion: Was ist kurdisches Theater?
Foto © Elisabeth Schuster: Alan Ciwan (BAN Theater); Übersetzerin Kurdisch-Türkisch-Englisch-Deutsch;  Mirza Metin (Direktor Şermola Performans), Huseyin Umaysiz (Direktor BAN Theater); Gergana Dimitrova (EURODRAM Präsidentin); Dominique Dolmieu (EURODRAM Sekretär, französischsprachiges Komitee); Wolfgang Barth (deutschsprachiges Komitee)

Stattdessen wurde die für 21:15 vorgesehene Podiumsdiskussion vorgezogen und das Publikum im trotz der Absage voll besetzten Theater führte mit dem Podium und untereinander eine engagierte Diskussion mit einem wesentlichen Ergebnis: Das in kurdischer Sprache und mit großem körperlichen Einsatz über die Sprachnormen hinaus hervorgerufene Stimm- und Lauterlebnis (z. B. durch Klopfen auf die Brust) in Verbindung mit den alten und aktualisierten Stoffen ist sowohl verzweifelter Ausdruck melancholischer Heimatlosigkeit als auch einer der wenigen Garanten andauernder kurdischer  Identität.

Foto © Wolfgang Barth: Mirza Metin (Direktor Şermola Performans), Alan Ciwan (Schauspieler BAN Theater), Huseyin Umaysiz (Direktor BAN Theater)
Fortsetzung Konferenz am 11. November 2023

Nach der satzungsentsprechenden Erledigung von EURODRAM-Interna (Wahlen, Beschlüsse) am Samstagvormittag und dem oft medial unterstützten Bericht der Komitees über die Auswahlen fand die Konferenz einen würdigen Abschluss, der die Verbundenheit des Netzwerkes mit den erschütternden aktuellen Ereignissen dokumentiert:

Die Schauspielerin Carrie Getman las vor den TeilnehmerInnen der Konferenz in englischer Sprache das aktuell ins Deutsche übersetzte Stück „Kätzchen zur Erinnerung an Finsternis“ [Pussycat in Memory of Darkness“] der anwesenden Koordinatorin des ukrainischsprachigen Komitees Neda Nejdana.

Foto © Wolfgang Barth: Neda Nejdana, Carrie Getman
Infrastruktur, Organisation und Öffentlichkeit

Der Tagungsraum im Kulturzentrum Bethaniern wurde uns vom Deutschen Zentrum des Internationalen Theaterinstituts (ITI) zur Verfügung gestellt, wofür wir herzlich danken.

Das Theater Aufbau Kreuzberg (tak) wurde für den 10. November vom deutschsprachigen Komitee  EURODRAM gemietet. Wir danken für die gute Zusammenarbeit und die technische Unterstützung.

Für die Infrastruktur (Verpflegung, Begleitung der Gäste, Hotelunterbringung, Programmablauf) der gesamten Konferenz waren Mitglieder des deutschsprachigen und des französischsprachigen Komitees zuständig.

Medial vorbereitet und begleitet wurde die Konferenz durch die Homepage des deutschsprachigen Komitees (https://eurodram.de/stucke-des-aufrufs-2023-in-arbeit-plays-of-2023-call-in-progress/ ), die vom französischsprachigen Komitee betreute  zentrale EURODRAM-Website  (http://eurodram.org/ ), den Spielplan des Theaters Aufbau Kreuzberg (drei Einträge für den 10.11.2023, https://tak-berlin.de/spielplan ), Facebook-Posts und eine an viele Printmedien in Berlin verschickte Pressemittteilung jeweils mit dem Hinweis auf die Förderung durch den Deutsch-Französischen Bürgerfonds:

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