Neue Übersetzung von Franziska Muche: Maria Velasco, Erstes Blut

Foto Maria Velasco und Franziska Muche © privat, November 2022
Dank der Förderung durch den Deutschen Literaturfonds konnten wir die Übersetzerinnen der Auswahl 2023, Stefanie Gerhold, Franziska Muche und Barbara Buri bitten, eine weitere Übersetzung aus der Sprache ihres Stückes der Auswahl ins Deutsche anzufertigen.
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Franziska Muche hat übersetzt:

María Velasco, Primera Sangre [Erstes Blut]

Erfreuliche Nachricht.

Mitteilung der Übersetzerin am 01.10.2024:

"María Velasco hat letzte Woche den Premio Nacional de Literatura Dramática gewonnen - für Erstes Blut. Nun bin ich um so froher und dankbarer, dass ich es dank Eurer Unterstützung schon übersetzen konnte.

https://www.cultura.gob.es/actualidad/2024/09/240926-maria-velasco-literatura-dramatica.html

https://americareadsspanish.org/ars-news/24018-maria-velasco-national-prize-for-dramatic-literature-of-spain-2024.html "


Früherer Preis: XXXI Premio SGAE de Teatro Jardiel Poncela 2022

Entstehung/ Publikation: 2021/2023. Verlag: La Uña Rota. Uraufführung am 26.04.2024 im Centro Dramático Nacional in der Regie von Maria Velasco in einer Kooperation mit dem Teatro Nacional de Catalunya, wo es im November 2024 noch einmal gezeigt wird. Weitere Aufführungen finden 2024/25 in Valencia und Sevilla statt – und hoffentlich bald auch international.

Website der UA: https://dramatico.mcu.es/en/evento/primera-sangre/

Zum Überblick hat Franziska Muche den Text der Webseite der Uraufführung übersetzt:

"Das Theater hatte schon immer eine Beziehung zu den Toten und zur Figur des Wiedergängers: Zurückgekehrte werden auf der Bühne wiedergeboren und erzählen post mortem ihre Geschichte. In Erstes Blut geht es um ein in den 1990er Jahren entführtes und ermordetes Mädchen – der Fall wurde zu den Akten gelegt, der Mörder nie gefunden.

Im Stück ist Laura nicht mehr da und doch die ganze Zeit anwesend (die Toten respektieren die Totenruhe nicht). Laura interagiert mit ihren gleichaltrigen Nachbarn ihres Alters, mit dem Kommissar, der für den Fall zuständig war, und einer Erzieherin: Erziehen wir in einem Klima der Angst? Schützt Angst vor Gefahr oder verhindert sie das Leben? Ist Rape Culture eine Art offene Geheimgesellschaft, wie die Anthropologin und Aktivistin Rita Laura Segato sagt? Welche Missbrauchsstrukturen haben wir verinnerlicht?

Erstes Blut kommt als Autofiktion, Thriller und Gespenstergeschichte daher und zwingt uns, über den Missbrauch in der Kindheit nachzudenken, der im Körper vieler Frauen fortlebt. Poetisch und eindringlich lädt Erstes Blut uns dazu ein, uns zu erinnern; viele zu sein.


Anmerkung der Autorin und Regisseurin María Velasco

Laura wurde 30 Jahre nach ihrem Tod wieder in mir lebendig: Als ein Freundin aus meiner Heimatstadt mir erzählte, dass sie mit einem Mädchen schwanger sei, begann ich mit der Arbeit an diesem Text. Aber Lauras Foto – das Plakat mit dem großen Aufdruck „GESUCHT“ – habe ich immer vor Augen ge. Ich war damals genauso alt wie sie, das vermisste (und später ermordete) Mädchen, und lernte gerade, Bekanntes von Unbekanntem und Angst von Leichtsinn zu unterscheiden, so wie man lernt, Grün und Rot auseinanderzuhalten. Während meiner gesamten Pubertät schwankte ich zwischen diesen beiden Extremen hin und her, bis ich mir Hölderlins Satz zu eigen machte: "Wo Gefahr ist, wächst das Rettende auch".

Es stimmt nicht, dass Mädchen so erzogen werden wie Jungen: nachts darf man nicht überall auf die Straße gehen, Fremden sollte man nicht trauen, auch wenn sie freundlich sind ... „Nichts in der Welt konnte doch mit roten Schuhen verglichen werden!", heißt es in der Geschichte, in der die roten Schuhe die Anti-Heldin unermüdlich durch Wald und Feld tanzen lassen. Zum Glück haben wir in unserer Jugend – obwohl wir Angst hatten, oder vielleicht, um ihr etwas entgegenzusetzen – auch rote Schuhe getragen.

Erstes Blut ist ein Totentanz, eine Art verspätete Trauer um die in den 1990er Jahren ermordeten Mädchen – und um die Mädchen, die rausgegangen sind und sich dafür entschuldigt haben, weil sie das Gefühl hatten, dass der öffentliche Raum ihnen nicht gehört. Text, Musik und Tanz gehören hier zusammen, in einem Akt der Hauntologie (Heimsuchungslehre) und Nekromantie (Weissagung der Zukunft durch Totenbeschwörung).

María Velasco"
Im Folgenden finden Sie einen Auszug aus dem Stück: Anfang bis S. 8 und Seiten 22-26. Wenn Sie den gesamten Text lesen wollen, wenden Sie sich bitte an Franziska Muche <franziska.muche@drama-panorama.com>.
Zum Beitrag DSE am Theaterhaus G7: María Velasco, „Ich will die Menschen ausroden von der Erde“

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