Stück für Stück 2025 – Ein Wochenende für neue Dramatik

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Endlich war es wieder soweit: Wir durften vom 14.11.-16.11.2025 nach Mannheim ins Theaterhaus G7 zu Inka (Neubert), Pascal (Wieandt) und Philipp (Bode) kommen, um unsere Auswahl 2025 auf der Bühne zu erleben. Diesmal fuhren Wolfgang (Barth), Charlotte (Bomy), Frank (Wenzel) und ich (Elisabeth Schuster) und die Vorfreude war groß! Carsten (Brandau), ebenfalls Eurodram Jurymitglied, war diesmal als Autor anwesend und Aurélie (Youlia) als Schauspielerin in den szenischen Lesungen von Götterspiel und Sorex.

Unsere 3 Auswahltexte, Götterspiel von Marius Ivaškevičius (aus dem Russischen übersetzt von Ruth Altenhofer, Johanna Marx und Claudia Zecher), Pfeifen von Hadar Galron (aus dem Hebräischen von Mathias Naumann) und Sorex von Tomáš Ráliš (aus dem Tschechischen von Maira Neubert) wurden diesmal mit den deutschsprachigen Texten Wildes Wald von Carsten Brandau, Wild von Sean Keller und Ghostbike von Julie Guigonis für ein Wochenende voller neuer Dramatik in szenischen Lesungen zusammengeführt. Und noch dazu waren die AutorInnen und ÜbersetzerInnen anwesend und wir konnten unsere Gedanken und Fragen an sie richten.

Zu Anfang begrüßten Pascal, Inka und ich alle Kommenden sehr herzlich und ließen unseren scheidenden „Eurodram Chef“ Wolfgang Barth hochleben und erinnerten uns an viele schöne gemeinsame Theatermomente!

Wir stiegen am Freitagabend mit Wildes Wald von Carsten Brandau ein, gefolgt von einem sehr erheiternden Publikumsgespräch mit dem Autor! (Alle kommenden Fotos wurden von Miriam Stanke geschossen.)

Nach einem phänomenalem Brunch für alle Beteiligten des Festivals beamte uns auch das erste Stück am Samstag, Wild von Sean Keller, in einen Wald, in dem seltsame Dinge passieren und die Menschen so mit sich selbst beschäftigt sind, dass sie erst sehr spät merken, dass der Wald brennt!

Mit Götterspiel von Marius Ivaškevičius, in der Übersetzung aus dem Russischen von Ruth Altenhofer, Johanna Marx und Claudia Zecher, begannen am Samstag die szenischen Lesungen unserer Auswahl 2025.

Die einstündige, gekürzte und klar strukturierte Präsentation dieses eindringlichen und einfühlsamen collagehaften Dokutheatertextes war sehr gelungen. Das Publikum konnte dabei u.a. an der weiblichen Spurensuche nach Mantas Kvedaravicius, dem Dokumentarfilmer, in Mariopol teilnehmen. Dabei untersuchten die Bühnenfiguren die abstoßenden Machtspiele eines Generals und legten auf der zivilen Ebene eigene biographische Szenen des Machtmissbrauchs im Theateralltag frei (Für mehr Infos zum Stück siehe: Interview Wolfgang Barth mit dem estnischen Regisseur Laur Kaunissaare).

Abgerundet wurde der Samstag mit der tollen szenischen Lesung des frischen, witzigen und liebenswerten Texts Ghostbike von Julie Guigonis, der das Berliner Verkehrschaos in den Fokus nimmt, und in dem wir der Trauer um einen geliebten Menschen begegnen.

Am Sonntag vertieften wir uns mit dem eindrücklichen Monolog Pfeifen von Hadar Galron (aus dem Hebräischen von Matthias Naumann) in die Perspektive einer Frau, die Tochter von Shoah-Überlebenden ist, und um eine eigene Identität außerhalb dieser totalen Stigmatisierung ringt. Fiona Metscher verkörperte auf beeindruckende Weise diese Person. Die intensive anschließende Diskussion mit Autorin und Übersetzer verdeutlichte ebenfalls, wie nah das Thema an das Publikum gerückt war.

Den fulminanten Abschluss des Festivals für neue Dramatik machte die szenische Lesung von Sorex von Tomáš Ráliš (aus dem Tschechischen von Maira Neubert). Dieser abwechslungsreiche Erstlingstext von Tomáš ist ein rasender Feuerball, voll von ambivalenten Metaphern und Anspielungen, düster und energisch zugleich. Das Thema der schutzlos vereinzelten Arbeiterschicht, die mit sich ringt und um sich tritt anstatt sich mit den Migranten neben sich zu solidarisieren, mutete sehr nah an der deutschen Realität an und kam sehr gut beim Publikum an. Das liebenswürdige Nachgespräch mit dem Autor und der Übersetzerin brachte noch einige interessante Details zum Schreibprozess ans Licht.

Vielen Dank an alle Beteiligten, es war ein toller Austausch unter internationalen KollegInnen, bis zum nächsten Mal!

Finally, the time had come again: from 14th to 16th November 2025, we were able to visit Inka (Neubert), Pascal (Wieandt) and Philipp (Bode) at the Theaterhaus G7 in Mannheim to experience our 2025 selection on stage. This time, Wolfgang (Barth), Charlotte (Bomy), Frank (Wenzel) and I (Elisabeth Schuster) made the trip, and we were all very excited! Carsten (Brandau), also a member of the Eurodram jury, was there this time as an author, and Aurélie (Youlia) as an actress in the staged readings of Götterspiel (Rise of the Gods) and Sorex.

Our three selected texts, Götterspiel by Marius Ivaškevičius (translated from Russian by Ruth Altenhofer, Johanna Marx and Claudia Zecher), Pfeifen by Hadar Galron (translated from Hebrew by Mathias Naumann) and Sorex by Tomáš Ráliš (translated from Czech by Maira Neubert) were joined this time by the German-language texts Wildes Wald by Carsten Brandau, Wild by Sean Keller and Ghostbike by Julie Guigonis for a weekend full of new drama in staged readings. What’s more, the authors and translators were present, and we were able to share our thoughts and questions with them.

At the beginning, Pascal, Inka and I warmly welcomed everyone and celebrated our departing ‘Eurodram boss’ Wolfgang Barth, reminiscing about many wonderful theatre moments we had shared!

We kicked off on Friday evening with Wildes Wald (Wild Forest) by Carsten Brandau, followed by a very entertaining audience discussion with the author! (All photos were taken by Miriam Stanke.)

After a phenomenal brunch for everyone involved in the festival, the first play on Saturday, Wild by Sean Keller, transported us to a forest where strange things happen and people are so preoccupied with themselves that they don’t notice until very late that the forest is on fire!

Our selection for 2025 kicked off on Saturday with Götterspiel by Marius Ivaškevičius [Voskhod bogov / Восход богов / Rise of the Gods], translated from Russian by Ruth Altenhofer, Johanna Marx and Claudia Zecher.

The one-hour, abridged and clearly structured presentation of this haunting and sensitive collage-like docu-theatre text was very successful. Among other things, the audience was able to participate in the female search for traces of Mantas Kvedaravicius, the documentary filmmaker, in Mariopol. The characters on stage examined the repulsive power games of a general and, on a civilian level, revealed their own biographical scenes of abuse of power in everyday theatre life (for more information on the play, see: Interview with Wolfgang Barth and Estonian director Laur Kaunissaare).

Saturday was rounded off with a wonderful staged reading of Julie Guigonis‘ fresh, funny and endearing text Ghostbike, which focuses on the chaos of cycling in Berlin and in which we encounter the grief of losing a loved one.

On Sunday, Hadar Galron’s impressive monologue Pfeifen [שריקה / Whistle] (translated from Hebrew by Matthias Naumann) immersed us in the perspective of a woman who is the daughter of Shoah survivors and struggles to find her own identity outside of this total stigmatisation. Fiona Metscher gave an impressive performance as this character. The intense discussion with the author and translator that followed also made it clear how close the topic got to the audience.

The festival for new drama came to a spectacular close with a staged reading of Sorex by Tomáš Ráliš (translated from Czech by Maira Neubert). This varied debut text by Tomáš is a frenzied fireball, full of ambivalent metaphors and allusions, both dark and energetic at the same time. The theme of the defenceless, isolated working class, which struggles and fights among itself instead of showing solidarity with the migrants around them, seemed very close to the German reality and was very well received by the audience. The amiable discussion with the author and the translator brought to light some interesting details about the writing process.

Many thanks to everyone involved – it was a great exchange among international colleagues. See you next time!

DRAMA WALKS DramatikerInnen Festival Graz

14.06.2025: Präsentation der Auswahl 2025 des deutschsprachigen Komitees im Rahmen des DramatikerInnen Festivals Graz

Am 14. Juni 2025 präsentierte das deutschsprachige Komitee in Zusammenarbeit mit dem DramatikerInnen Festival in Graz die drei in diesem Jahr ausgewählten Stücke:

Pfeifen
שריקה
von Hadar Galron
basierend auf einer autobiografischen Erzählung von Jacob Buchan
Übersetzung: Matthias Naumann
Ursprungssprache: Hebräisch

Sorex
von Tomáš Ráliš
Übersetzung: Maira Neubert
Ursprungssprache: Tschechisch

Die Veranstaltung mit dem Titel DRAMA WALKS wurde in zwei Programmblöcken durchgeführt, in denen die Stücke als szenische Lesungen präsentiert wurden. Die Lesungen wurden von Anja M. Wohlfahrt inszeniert und konzipiert, mit den großartigen Schauspielern Mathias Lodd and Ninja Reichert.

Zwischen den beiden Programmblöcken fand eine Podiumsdiskussion mit den Autor:innen, Übersetzer:innen, dem Kreativteam und dem anwesenden Publikum statt.
Moderiert von Wolfgang Barth, Elisabeth Schuster und Ana Trpenoska (Eurodram), wurden dabei wichtige Fragen im Zusammenhang mit den aktuellen Kontexten zur Sprache gebracht, darunter die Kriege und Konflikte in Europa und im Nahen Osten. Das Gespräch war für alle Beteiligten tief emotional, insbesondere weil es in einem trauernden Graz stattfand, das kurz zuvor durch den Amoklauf an einer Schule erschüttert worden war.

Während des Festivals haben wir Interviews mit den AutorInnen und ÜbersetzerInnen geführt, die in Kurze hier auf unserer Homepage veröffentlicht werden.

Wir bedanken uns herzlich beim Team des Dramatikerinnen Festivals dafür, dass wir Teil des Programms sein durften und dafür, dass es trotz gekürzter Budgets und
herausfordernder gesellschaftlich-politischer Rahmenbedingungen die Durchführung eines so wichtigen Festivals möglich gemacht hat.

English version:

DRAMA WALKS Dramatists‘ Festival Graz

14.06.2025: Presentation of the German speaking committee Selection 2025 during the Dramatists‘ Festival Graz

On June 14, 2025, in collaboration with the Dramatists‘ Festival in Graz, the German-speaking committee presented the three plays selected this year:

„Götterspiel: Theatrical Investigation of a War Crime“ (Voskhod bogov) by Marius Ivaškevičius.
Translated by Ruth Altenhofer, Johanna Marx, Claudia Zecher.
Original language: Russian.

„Whistling“ (שריקה) by Hadar Galron, based on an autobiographical story by Jacob Buchan
Translated by Matthias Naumann
Original language: Hebrew.

„Sorex“ by Tomáš Ráliš
Translated by Maira Neubert
Original language: Czech.

The event, titled DRAMA WALKS, was scheduled in two sessions, during which the playswere presented as staged readings. The readings were directed and conceived by Anja M. Wohlfahrt, featuring the wonderful actors Mathias Lodd and Ninja Reichert.
Between the two sessions, a panel discussion took place with the authors and translators, along with the creative team and the present audience. Moderated by Wolfgang Barth, Elisabeth Schuster and Ana Trpenoska (Eurodram), the discussion raised important questions related to current contexts, including ongoing wars and conflicts in Europe and the Middle East. The conversation was deeply emotional for all participants, especially as it took place in a grieving Graz, still reeling from the recent school shooting.
During the festival, we conducted interviews with the authors and the translators, which will soon be published here on our homepage.
We would like to thank the team of the Dramatists‘ Festival for having us in the program and for making it possible to organize such an important festival, despite reduced budgets and challenging socio-political circumstances.