Dank der Förderung durch den Deutschen Literaturfonds konnten wir an die Übersetzerinnen der Auswahl 2023 eine finanzielle Hilfe von jeweils 1200 Euro für eine weitere Theaterstückübersetzung aus der Herkunftssprache des Auswahlstückes auszahlen. Die Übersetzungsvorhaben sind im Folgenden aufgeführt. Wir bedanken uns herzlich beim Deutschen Literaturfonds für die Förderung.
Ein Ort wie viele, in einer abgehängten Gegend am Meer. Die Fabriken sind stillgelegt, die Männer frustriert – mit Konsequenzen. Denn wie die offiziellen Zahlen und die Schlagzeilen belegen, nehmen die Fälle von Gewalt gegen Frauen rasant zu. In dem „Turm“ kommen darum einflussreiche Männer und die Wirtschaftsministerin zusammen, um zu beratschlagen, wie sich dieses Problem aus der Welt schaffen lässt. Die eleganteste Lösung lautet schließlich: Die Frauen werden auf eine Insel verbannt. Mit verheerenden Folgen. AUFRUHR ist erschreckend und komisch, gegenwärtig und dystopisch zugleich. Es entlarvt eine patriarchale Gesellschaft, die auf Hierarchien, Machtmissbrauch und Bigotterie gründet, deren Fundamente sich aber bereits in Auflösung befinden. Was auch in der Besetzung angelegt ist, denn alle Rollen sollen von Frauen gespielt werden.
Stefanie Gerhold
Übersetzung aus dem Spanischen:
Max Aub, De algún tiempo a esta parte [Vor nicht allzu langer Zeit]
Die Literarische Agentur Balcells hat bestätigt, dass die deutschsprachigen Rechte an dem Stück frei sind. Zudem kann die Übersetzerin in ihrem Vorhaben auf die Unterstützung der Agentur zählen.
Begründung der Auswahl der Übersetzung siehe unten.
Franziska Muche
Übersetzung aus dem Spanischen in Absprache mit der Autorin:
María Velasco, Primera Sangre [Erstes Blut]
Entstehung/ Publikation: 2021/2023. Verlag: La Uña Rota. Premiere: 24/04/2024, Centro Dramático Nacional (Madrid); Premiere Katalonien: Teatro Nacional de Catalunya, September 2024. Preise: XXXI Premio SGAE de Teatro Jardiel Poncela 2022
Die Übersetzerin verfügt über die Erlaubnis der Rechteinhaberin für die Übersetzung des Stückes ins Deutsche.
Die Übersetzerinnen werden die Übersetzungen mit einem Hinweis auf die Förderinstitution versehen (Deutscher Literaturfonds, vermittelt über das Deutschsprachige Komitee EURODRAM).
Gefördert durch:
Begründung und erläuterung der Übersetzungsentscheidung
Bei der Podiumsdiskussion am 24.06.2023 haben Stefanie Gerhold und Franziska Muche ihre Übersetzungsentscheidungen erläutert. Dokumentation Lorena Pircher.
Stefanie Gerhold
Stefanie Gerhold ist nach längerer Überlegung sehr glücklich, einen Text gefunden zu haben, der sie persönlich wieder zutiefst berührt, der es ermöglicht, „eine nachgeholte Gegenwart umzusetzen”. Es handelt sich um einen Monolog des Schriftstellers Max Aub, der vor bereits 50 Jahren in Mexiko verstorben ist. Aus einer französisch-deutschen jüdischen Familie stammend, die im Ersten Weltkrieg nach Valencia, Spanien, umgezogen ist, hat er Zeit seines Lebens auf Spanisch geschrieben. Der Monolog, den Stefanie Gerhold übersetzen wird und der den Titel “Vor nicht allzu langer Zeit” tragen wird, spielt 1938 in Wien und handelt von Emma, einer Jüdin, die alles verloren hat und nun in einem Theater putzt. Sie erzählt ihre Geschichte.
Dies ist erneut ein Text, der sich intensiv mit dem Holocaust befasst, wie auch “Himmelweg”. Auch Max Aubs Stück wird, wie jenes von Juan Mayorga, für Stefanie Gerhold die Besonderheit haben, dass es aus dem Spanischen in ein “nie geschriebenes deutsches Original” zurückübertragen werden wird, da nationalsozialistische Ausdrücke aus der deutschen Sprache stammen und Max Aub und Juan Mayorga für diese Ausdrücke eines sehr dunklen Kapitels der Menschheitsgeschichte eine gewissermaßen imaginierte spanische Kunstsprache erschaffen mussten.
Franziska Muche
Franziska Muche wird das neue Stück von María Velasco González übersetzen, das auf Deutsch “Erstes Blut” heißen wird, im Spanischen Original “Primera Sangre”. Es behandelt ein sehr aktuelles, ein starkes und tief berührendes Thema: Es geht um einen Mädchenmord, aber auch um ein patriarchales und angstbasiertes Beziehungsgeflecht, das auch autobiographische Züge aus dem Leben der Autorin aufweist.
Die Vorstellung der Stücke der Auswahl 2023 des deutschsprachigen Komitees EURODRAM fand am 24. Juni 2023 im Rahmen des Dramatiker:innenfestivals Graz „INS OFFENE“ (21.-25. O6.2023) statt. Sie erfolgte in Kooperation des deutschsprachige Komitees EURODRAM (vertreten durch das Koordinator:innenteam Wolfgang Barth, Charlotte Bomy, Galina Klimowa) mit dem Dramatiker:innenfestival (vertreten duch Edith Draxl, künstlerische Gesamtleitung). EURODRAM wurde dabei gefördert vom Deutschen Literaturfonds und Flanders Literature.
Vorgestellt wurden in Anwesenheit von Stefanie Gerhold, Franziska Muche und Freek Mariën die Stücke:
Juan Mayorga, Himmelweg [Himmelweg], Madrid 2003; Übersetzung aus dem Spanischen von Stefanie Gerhold, Berlin 2022 Neofelis Verlag, Berlin 2022 in: F. Muche / C. Heinrich [Hrsg.], Schattenschwimmer, neue Theatertexte aus Spanien; Aufführungsrechte: Hartmann & Stauffacher Verlag, Köln
María Velasco Gonzáles, Ich will die Menschen ausroden von der Erde [Talaré a los hombres de sobre la faz de la tierra], Madrid 2020, Übersetzung aus dem Spanischen von Franziska Muche, Berlin 2022
Freek Mariën, Der Mann im Tauchanzug [The Wetsuitman], Belgien 2019, Übersetzung aus dem Niederländischenvon Barbari Buri, Deutschland 2020 De Nieuwe Toneelbibliotheek (Original) / Verlag der Autoren (Übersetzung)
Die Vorstellung erfolgte bei zwei identischen „Walks“ um 19 und um 20 Uhr in der Tiefgarage/dem Souterrain der „Vorklinik“. Bei solchen „Walks“ werden die Zuschauer*innen nacheinander zu den drei Darstellungsorten jeweils für eines der Stücke geführt. Auskunft über Regie und Darsteller*innen gibt der Programmauszug am Ende dieser Zusammenfassung. Trotz der späten Stunde nahmen an jedem der Walks etwa 50 Zuschauer*innen teil.
Von 21:30 bis ca. 22:30 fand vor einem kleineren (Fach-) Publikum eine Podiumsdiskussion zu den Stücken, den Darstellungen, den Übersetzungen und damit verbundenen Fragen statt. Moderiert wurde die Diskussion von Christian Mayer (für EURODRAM) und Martin Baasch (für das Dramatiker:innenfestival). Die Stücke vertraten der Autor Freek Mariën (Belgien/Flandern für DER MANN IM TAUCHANZUG) die Übersetzerin Stefanie Gerhold (Berlin, für ICH WILL DIE MENSCHEN AUSRODEN VON DIESER ERDE) und die Übersetzerin Franziska Muche (Berlin, für HIMMELWEG).
Am Ende der Podiumsdiskussion gaben die Übersetzerinnen bekannt, für welche weiteren Übersetzungen sie die zugesprochene Übersetzungsförderung des Deutschen Literaturfonds verwenden werden [Die weiteren Übersetzungen]. Stefanie Gerold und Franziska Muche begründen Ihre Auswahl.
Wir danken Edith Draxl und allen Beteiligten des Dramatiker:innenfestivals für die hervorragende Zusammenarbeit und die Übernahme vieler Kosten, dem Deutschen Literaturfonds für die EURODRAM-Förderung und Flanders Literature für die Reiseförderung für den Autor Freek Mariën.
Wolfgang Barth, Bremen, 7. Juli 2023
English
Presentation of the plays of the selection 2023 of the German-speaking committee EURODRAM at the Dramatiker:innenfestival in Graz on June 24, 2023
The presentation of the plays of the selection 2023 of the German-speaking committee EURODRAM took place on June 24, 2023 in the context of the Dramatiker:innenfestival Graz „INS OFFENE“ (21.-25.06.2023). It took place in cooperation of the German-speaking committee EURODRAM (represented by the coordinator team Wolfgang Barth, Charlotte Bomy, Galina Klimowa) with the Dramatiker:innenfestival (represented by Edith Draxl, artistic director). EURODRAM was supported by the German Literature Fund and Flanders Literature.
The plays presented were:
Juan Mayorga, Himmelweg [Heaven’s Path], Madrid 2003; translation from the Spanish by Stefanie Gerhold, Berlin 2022 Neofelis Verlag, Berlin 2022 in: F. Muche / C. Heinrich [eds.], Schattenschwimmer, neue Theatertexte aus Spanien; performance rights: Hartmann & Stauffacher Verlag, Cologne
María Velasco Gonzáles, Ich will die Menschen ausroden von der Erde [Talaré a los hombres de sobre la faz de la tierra], Madrid 2020, translation from Spanish by Franziska Muche, Berlin 2022
Freek Mariën, Der Mann im Tauchanzug [The Wetsuitman], Belgium 2019, translation from Dutch by Barbari Buri, Germany 2020 De Nieuwe Toneelbibliotheek (original) / Verlag der Autoren (translation).
The presentation of the three plays took place during two identical „Walks“ at 7 pm and at 8 pm in the underground car park/basement of the „Vorklinik“. During such „Walks“, the audience is led to the three performance venues for one of the plays each, one after the other. The program excerpt at the end of this text provides information about the directors and performers. Despite the late hour, about 50 audience members attended each of the Walks.
From 21:30 to about 22:30, a panel discussion on the plays, the performances, the translations and related issues took place in front of a smaller (professional) audience. The discussion was moderated by Christian Mayer (for EURODRAM) and Martin Baasch (for the Dramatiker:innenfestival). The plays were represented by the author Freek Mariën (Belgium/Flanders for DER MANN IM TAUCHANZUG) the translator Stefanie Gerhold (Berlin, for ICH WILL DIE MENSCHEN AUSRODEN VON DIESER ERDE) and the translator Franziska Muche (Berlin, for HIMMELWEG).
At the end of the panel discussion, the translators announced for which further translations they will use the awarded translation grant from the German Literature Fund [Further translations]. Stefanie Gerold and Franziska Muche give reasons for their selection.
Lorena Pircher (German Language Committee) conducted interviews with the translators and the author on 24 June, which we are publishing separately. In the very personal and detailed contributions, Stefanie Gerhold and Franziska Muche describe their work as translators and talk about the translated plays. Freek Mariën comments on his play and many aspects of his work.
We would like to thank Edith Draxl and all those involved in the Dramatiker:innenfestival for their excellent cooperation and for bearing many of the costs, the German Literature Fund for the EURODRAM grant and Flanders Literature for the travel grant for the author Freek Mariën.
Wolfgang Barth, Bremen, July 07, 2023
Das Plakat zeigt die Besetzung der vorstellenden Teams. / Please see the cast of the presentation teams.
Der Abstieg in die Tiefgarage der „Vorklinik“ führte direkt zum ersten Stück des „Walks“. Die Zuschauer:innen setzten sich auf die breite Treppe, die in den zu einer Bühne umfunktionierten Gang mündete. Zwei beeindruckende junge Schauspielerinnen stellten in aneinander anknüpfenden, sich oftmals überlagernden Monologen die Gedanken der Protagonistin dar: Eine junge Frau stellt sich einer patriarchalen, konservativen Gesellschaft durch kraftvolle, eloquente, direkte Anklagen entgegen, die für viele Frauen wie Befreiungsschläge wirken. Die Diskriminierung von Frauen und die Nicht-Anerkennung ihrer Leistungen wurden in verdichteten Szenen anhand der Erfahrungen der Protagonistin deutlich: Nach einer perfekten Präsentation im Rahmen ihrer Promotion wird die Protagonisten vom Prüfungskomitee, das ausschließlich aus Männern besteht, ungerechtfertigt kritisiert, ihre Leistungen werden heruntergespielt. Sie wendet sich mit einem bewegenden Monolog an das Publikum, prangert die strukturelle Benachteiligung von Frauen an und entwickelt Reflexionen über ihr eigenes Aufwachsen und bisheriges Leben. Beim Ortswechsel während der Lesung wurden die Zuschauer:innen selbst zu dessen Bestandteil: Ihren Gang begleiteten Originalaufnahmen von Sprechchören in spanischer Sprache eines Demonstrationszuges zur Durchsetzung von Frauenrechten und gegen Vergewaltiger.
Das zweite Stück des Walks nutzte verschiedene Spielorte der Tiefgarage. Auch hier nahmen Zuschauer:innen direkt und intensiv teil. Sie hatten sich bereit erklärt, Passagen bestimmter Handlungsabschnitte zu lesen, und wurden so Bestandteil des Geschehens. Diese dramaturgische Entscheidung war sehr bewegend, da sie auf einer Metaebene reflektierte, was die Protagonist:innen des Stückes Himmelweg auf grausamste Art und Weise erfahren mussten: Sie mussten auf Leben und Tod eine Rolle spielen, zu der sie von den SS-Soldaten gezwungen wurden, um dem Internationalen Komitee des Roten Kreuzes ein absolut gefälschtes Bild vom Konzentrationslager Theresienstadt zu vermitteln. Sie waren gezwungen, die schrecklichen Gräueltaten der Nationalsozialisten zu verdecken, um nicht sofort zu sterben. Weitere interessante dramaturgische Aspekte der Inszenierung waren Verfremdungen, die durch die Verlagerung der Handlung in einen Fernsehapparat erfolgten, vor dem das Publikum Platz nahm. Die Inszenierung berührte tief und brillierte mit der unkonventionellen Entscheidung, jede Handlung entweder über ein drittes Medium oder über die Zuschauer:innen selbst stattfinden zu lassen. Dies unterstrich das Ringen um Worte und die Schwierigkeit, die Unmenschlichkeit sprachlich zu fassen.
Das dritte Stück des Walks wurde von nur einer Schauspielerin vorgestellt, die sich in ihrer Darstellung brillant auf unterschiedliche Handlungsorte und Geschehnisse bezog, dabei verschiedene Personen spielte und so das anfängliche Rätsel des Vorgangs einer ausdrucksstarken Lösung zuführte. Der Autor erklärte, dass das Stück eigentlich für 3-28 verschiedene Personen geschrieben sei und sich verschiedener Requisiten und Kostüme bediene. Dennoch war die Inszenierung der Lesung mit Nutzung eines limitierten Raumes und nur weniger Requisiten faszinierend und äußerst gelungen. Die Handlung, die sich auf die Suche nach der Identität einer geflüchteten Person (dem „Mann mit dem Tauchanzug“) konzentriert, wurde durch die bewundernswerte Leistung der Schauspielerinintensiv intensiv erfahren. Sukzessive fügten sich verschiedene Handlungsorte, verschiedene Dialoge und unterschiedliche Monologe zu einem großen Ganzen zusammen und boten somit einen multiperspektivischen, mosaikartigen und sozialkritischen Blick auf aktuelle Ereignisse.
Die Podiumsdiskussion
Christian Maywer (EURODRAM), Freek Mariën (Autor), Martin Baasch (Dramatiker:innenfestival), Franziska Muche (Übersetzerin), Stefanie Gerhold (Übersetzerin)
Lorena Pircher hat Elemente der Podiumsdiskussion notiert und dokumentiert:
Während des Podiumsgespräches wurden eine Vielfalt an interessanten Aspekten bezüglich des Schreibens und des Publizierens sowie Übersetzens von Theatertexten aufgegriffen. Es wurden unter anderem die feministischen und höchst gesellschaftsrelevanten Aspekte des Stücks von María Velasco González genauer beleuchtet; Franziska Muche erläuterte, inwiefern dieser Text für die aktuelle, progressive spanische Theaterlandschaft bezeichnend ist.
Dies führte zu einer interessanten Diskussion über die Vielfalt der spanischen Theater- und Literaturbewegungen, die von Autofiktion bis hin zu politischen Essays reichen. Trotz dieser vibrierenden und lebhaften Theaterszene Spaniens veranschaulicht beispielsweise die “Generación emergente”, die sog. aufstrebende Generation, wie schwierig es im Allgemeinen ist, mit Theaterstücken langfristige Sichtbarkeit zu erreichen. Diese Schriftsteller:innen, die in ihren 40er Jahren sind und schon jahrelang erfolgreich Theaterstücke publizieren, und dennoch immer noch als “emergente”, also “aufstrebend” angesehen werden, verweisen auf die Herausforderungen des Theaterstück-Schreibens. Was sich in der spanischen Theaterlandschaft von der deutschen unterscheidet, ist insbesondere, dass es beinahe keine staatlichen festen Ensembles gibt; nichtsdestotrotz aber werden sehr viele Theaterstücke publiziert und es gibt eine sehr aktive und vibrierende Off-Szene sowie eine Theaterbuchmesse, zu der Übersetzer.innen eingeladen werden. Kurzum, Theaterstücke zu schreiben gilt in Spanien als anerkanntes literarisches Genre.
Stefanie Gerhold äußerte ihre Begeisterung über die Inszenierung des von ihr übersetzten Werks “Himmelweg” im Rahmen einer 20-minütigen Umsetzung des ansonsten abendfüllenden Dramas und drückte Anerkennung aus über die dramaturgische Entscheidung, die Zuschauer:innen spontan Mikroszenen lesen zu lassen und sie somit Teil der Inszenierung werden zu lassen. Die Metaebene einer simulierten Realität, eines normal geführten Lebens, das die Insass:innen Theresienstadts spielen mussten, um zu überleben, wurde dadurch aufgegriffen und nochmals auf bedruckende Art und Weise greifbar gemacht.
Zu ihrer Rolle als Übersetzerin befragt, erklärte Stefanie, dass das Übersetzen für das Theater eine sehr vielfältige und interessante Aufgabe darstellt, da der Theatertext an sich noch nicht das finale Kunstwerk ist, sondern ein offenes Angebot, eine offene Oberfläche, die auch in der Übersetzung auf möglichst vielfältige Weise anschlussfähig bleiben sollte. Diese Offenheit des Textes auch in einer neuen Sprache wieder-erschaffen zu können, sei äußerst faszinierend. Dadurch ist, wie Stefanie Gerhold erklärt, eigentlich auch höchste Sichtbarkeit gegeben; die Sichtbarkeit der Übersetzer:innen liegt in den Worten selbst, in den komplexen Umwandlungsprozessen, in den ineinandergreifenden sprachlichen Überlappungen eines jeden übersetzten Textes.
Auch Freek erklärte, dass er die Inszenierung seines Stücks, “Der Mann im Tauchanzug” sehr schätzte und die Inszenierung bewundere, die an nur einer Person hing, obwohl das Stück für 3-28 Schauspieler:innen konzipiert ist (in den meisten Inszenierungen spielen 3 Schauspieler:innen). Die Faszination dieser Inszenierung korreliert mit der beeindruckenden Leistung der im limitierten Raum agierenden Schauspielerin, die beinahe keine Requisiten verwendete, keine verschiedenartigen Kostüme und dennoch durch ihre Stimme jegliche Nuancen und Stimmungen sowie verschiedene Figuren erfahrbar machte.
Freek findet, dass Übersetzer:innen die besten Leser:innen sind, dass sie den Text immer und immer wieder mit neuen Blickwinkeln und durch verschiedene Linsen lesen und Detailfragen stellen, die die eigene Recherche erneut anregen. Außerdem kam die Beobachtung auf, dass Übersetzungen immer eine interkulturelle Überbrückungsarbeit darstellt, dass Übersetzen einen interkulturellen Transferprozess darstellt und sich dadurch bei Übersetzungen natürlich für einen Text auch der kulturelle Rezeptionsraum mit seinen eigenen Konsequenzen ergibt (Zum Beleg: Die Rezeption von Freeks “Der Mann im Tauchanzug” war hinsichtlich der Assoziationen und Erwartungshaltungen, die mit dem Konzept der Polizei verbunden werden, in den USA sehr unterschiedlich zu der in Flandern).
In Spanien wiederum verläuft die Grenze zwischen großen staatlichen Produktionen und der Off-Szene anders, aus dem Siglo de Oro heraus gibt es andere Erwartungen und Erwartungshaltungen des Publikums und der Autor:innen, das Theater wurde anders geprägt und es entwickelte sich aus diesen Ursprüngen eine andere Art des Spielens.
So werden Stücke, die in Spanien sehr ernst genommen werden, von arrivierten Autor:innen in Deutschland oftmals beinahe an der Grenze zum Boulevard wahrgenommen, weil die Erwartungen aus unterschiedlichen Traditionen kommen.
Die Diskrepanz zwischen dem, was gesagt wird, und dem, was gemeint ist, diese Kluft der gesamtmenschlichen Kommunikation, ist ein universales Phänomen, das auch erfordert, dass Übersetzer:innen zwischen den Zeilen übersetzen.
Ein sehr gutes Beispiel zum oftmals schwierigen Prozess der passenden Wortfindung wurde von Franziska Muche gegeben: So hat sie sich für ihre Übersetzung von María Velascos Stück, das im Original “Talaré a los hombres de sobre la faz de la tierra” heißt und ein Originalzitat aus der Bibel ist, dafür entschieden, es mit “Ich will die Menschen ausroden von der Erde” zu übersetzen, wobei “talar” “Bäume fällen” bedeutet und dieses Bild des Baums auch sehr wichtig für das gesamte Stück ist. Andererseits gibt es das Bibelzitat auch im Deutschen, wobei das Verb “ausrotten” verwendet wird. Schließlich hat sich Franziska für eine geniale Übertragung entschieden, sie hat das Bibelzitat abgewandelt, das Verb “ausroden” verwendet, was so viel bedeutet wie “mit den Wurzeln ausreißen” und hat dadurch Zitat und das Pflanzliche, das Sinnbild des Baums, gewahrt. Interessant ist auch die Überlegung, wie “hombres” übersetzt werden will, da es gleichzeitig Menschen, Menschheit, aber auch nur Männer bedeuten kann – eine für dieses feministische Stück interessante Doppeldeutigkeit.
Die Erläuterungen von Franziska Muche und Stefanie Gerhold, welche Überlegungen für sie bei der Auswahl zur zusätzlich geförderten Übersetzung eine weiteren Stückes eine Rolle gespielt haben, finden Sie hier.
Die Vorstellung der Stücke der Auswahl 2023 wurde gefördert von:
[English version below. Translation: Blažena Radas; This text has been published on 21st of March 2023.]
Auf Einladung zur Einsendung von ins Deutsche übersetzten Theaterstücken wurden 42 Übersetzungen aus den Sprachen Albanisch, Belarussisch, Bulgarisch, Englisch, Französisch, Griechisch/Deutsch, Hebräisch, Italienisch, Kroatisch, Niederländisch, Norwegisch, Russisch, Slowakisch, Spanisch, Ukrainisch und Ungarisch eingereicht. Das deutschsprachige Komitee hat daraus drei Stücke für die Auswahl 2023 gewählt:
Juan Mayorga, Himmelweg [Himmelweg], Madrid 2003; aus dem Spanischen von Stefanie Gerhold, Berlin 2022 Neofelis Verlag, Berlin 2022 : F. Muche / C. Heinrich [Hrsg.], Schattenschwimmer, neue Theatertexte aus Spanien; Aufführungsrechte: Hartmann & Stauffacher Verlag, Köln
María Velasco Gonzáles, Ich will die Menschen ausroden von der Erde [Talaré a los hombres de sobre la faz de la tierra], Madrid 2020, aus dem Spanischen von Franziska Muche, Berlin 2022
Freek Mariën, Der Mann im Tauchanzug [The Wetsuitman], Belgien 2019, aus dem Niederländischen von Barbari Buri, Deutschland 2020 Verlag der Autoren
Theatern empfehlen wir die Inszenierung und Verleger*innen (bei noch nicht verlagsgebundenen Stücken) die Aufnahme der Stücke ins Programm. Allen Interessierten können wir mit Erlaubnis der Autor*innen, der Übersetzer*innen und der Verlage bei der Herstellung des Kontaktes helfen.
Die Stücke der Auswahl werden am 24. Juni 2023 in Lesungen und Diskussionen im Rahmen des DramatikerInnenfestivals in Graz der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Autor*innen und Übersetzer*innen laden wir dazu ein. Wir streben eine zweite Lesung im Rahmen des Festivals Stück um Stück vom 17. bis 19. November 2023 am Theaterhaus G7 in Mannheim an.
Den Übersetzerinnen können wir für die Übersetzung eines weiteren Stückes jeweils 1200 Euro anbieten.
Wir danken dem Deutschen Literaturfonds für die Förderzusage, die uns die Durchführung der Lesungen in Kooperation mit dem DramatikerInnenfestival und die Übersetzerinnenförderung erlaubt.
Die Liste der eingesandten Theaterstücke enthält viele gute Texte in zum Teil hervorragender Übersetzung. Die Auswahlentscheidung fiel uns nicht leicht. Wir bedanken uns herzlich bei den Einsender*innen. Angesichts ihrer Zahl werden wir nicht alle individuell benachrichtigen können.
Following an invitation to submit plays translated into German, 42 translations were submitted from Albanian, Belarusian, Bulgarian, Castilian, Croatian, Dutch, English, French, Greek/German, Hebrew, Hungarian, Italian, Norwegian, Russian, Slovak and Ukrainian. From these, the German-language committee has chosen three plays for the 2021 selection:
Juan Mayorga, Himmelweg [Himmelweg], Madrid 2003; translated from Castilian by Stefanie Gerhold, Berlin 2022. Neofelis Verlag, Berlin 2022 : F. Muche / C. Heinrich [Hrsg.], Schattenschwimmer, neue Theatertexte aus Spanien. Stage rights: Hartmann & Stauffacher Verlag, Köln
María Velasco Gonzáles, Ich will die Menschen ausroden von der Erde [Talaré a los hombres de sobre la faz de la tierra], Madrid 2020, translated from Castilian by Franziska Muche, Berlin 2022.
Freek Mariën, Der Mann im Taucheranzug [The Wetsuitman], Belgium 2019, translated from Dutch by Barbari Buri, Germany 2020. Verlag der Autoren.
We recommend theaters to stage the plays and publishers (in the case of plays not yet published) to include them in their programs. With the permission of the authors, translators and publishers, we can help all interested parties to establish contact.
The plays of the selection will be presented to the public in readings and discussions at the Dramatiker:innenfestival [Dramatists Festival] in Graz on June 24th, 2023. We invite the authors and translators to attend. We aim to hold a second reading as part of the Stück um Stück festival from November 17 to 19, 2023 at Theaterhaus G7 in Mannheim.
We can offer the translators 1200 euros each for the translation of a further piece.
We would like to thank the Deutscher Literaturfonds [German Literature Fund] for the funding commitment, which allows us to hold the readings in cooperation with the DramatikerInnenfestival and to support translators.
The list of submitted plays contains many good texts, some of them in excellent translation. The selection decision was not easy for us. We would like to express our sincere thanks to all those who sent in their work. In view of their number, we will not be able to notify everyone individually.
Freek Mariën, Der Mann im Tauchanzug [The Wetsuitman], Belgien 2019, Übersetzung aus dem Niederländischen von Barbari Buri, Deutschland 2020; De Nieuwe Toneelbibliotheek (Original) / Verlag der Autoren (Übersetzung)
Der Autor / The Author
Freek Mariën (Ghent, Belgium, 1988) is an author and a theater maker. He studied drama at KASK in Ghent. He and Carl von Winckelmann are the artistic leaders of the theater ensemble Het Kwartier, mounting productions for young people and adults that emphasize powerful writing, socially relevant topics, and unexpected forms and themes. He has written for ensembles including ARSENAAL/LAZARUS, Circus Ronaldo, Tuning People, and Laika. He also teaches writing as a guest instructor at LUCA Drama. Freek has won awards such as the Dutch-German Kinder- und Jugenddramatiker*innenpreises 2012 and 2020 for plays for young people, the East Flanders Literary Prize 2014 and the Toneelschrijfprijs for the best Dutch-language play (winner in 2015, nominated in 2017 and 2019). His writings have been translated into German, French, Finnish, and English, with public readings and performances in various European countries and the United States.The „Wetsuitman“ is one of the plays selected 2023 by the English speaking committee of EURODRAM (translation: David McKay).
Freek Mariën (Gent, Belgien, 1988) ist Autor und Theatermacher. Er studierte Schauspiel an der KASK in Gent. Er und Carl von Winckelmann sind die künstlerischen Leiter des Theaterensembles Het Kwartier, das Produktionen für Jugendliche und Erwachsene auf die Beine stellt, die sich durch kraftvolle Texte, gesellschaftlich relevante Themen und unerwartete Formen und Themen auszeichnen. Er hat für Ensembles wie ARSENAAL/LAZARUS, Circus Ronaldo, Tuning People und Laika geschrieben. Außerdem unterrichtet er Schreiben als Gastdozent bei LUCA Drama. Freek ist Preisträger des Niederländisch-Deutschen Kinder- und Jugenddramatiker*innenpreises 2012 und 2020 des Ostflämischen Literaturpreises 2014 und des Toneelschrijfprijs für das beste niederländischsprachige Theaterstück (Gewinner 2015, nominiert 2017 und 2019). Seine Texte wurden ins Deutsche, Französische, Finnische und Englische übersetzt mit öffentlichen Lesungen und Aufführungen in verschiedenen europäischen Ländern und in den Vereinigten Staaten. „The Wetsuitman“ ist in der Übersetzung von David McKay Auswahlstück 2023 des englischsprachigen Komitees Eurodram.
Das Stück/ The play
2015. On the coast of Norway, an architect walks his dog. What looks like an oil slick by the cliffs turns out to be a wetsuit, a human bone protruding from the leg-hole. The Wetsuitman begins as a Scandinavian crime thriller, and unpeels like an onion, switching between perspectives and genres to become a profound and interlayered meditation on identity, expectation, race, and migration.
Ultimately the play becomes a search for the truth— not only for the nature of the Wetsuitman but for the nature of a world in which he could wash up on a cold Norwegian beach.
2015. An der Küste Norwegens geht ein Architekt mit seinem Hund spazieren. Was wie ein Ölfleck an den Klippen aussieht, entpuppt sich als Neoprenanzug, aus dessen Beinloch ein menschlicher Knochen ragt. Der Neoprenanzugmann beginnt wie ein skandinavischer Krimi und entblättert sich wie eine Zwiebel, indem er zwischen Perspektiven und Genres wechselt, um zu einer tiefgründigen und vielschichtigen Meditation über Identität, Erwartung, Rasse und Migration zu werden.
Letztlich wird das Stück zu einer Suche nach der Wahrheit – nicht nur nach dem Wesen des Wetsuitman, sondern auch nach dem Wesen einer Welt, in der er an einem kalten norwegischen Strand angespült werden könnte.
Lesungen der Übersetzung / Translation readings
A partial recorded reading (as an audioplay on location) as part of the Dramatiker*innenfestival in Graz 2021
Teilweise aufgezeichnete Lesung (als Hörspiel vor Ort) im Rahmen des Dramatiker*innenfestivals in Graz 2021
Förderungen, Preise / Grants, prices
Winner Translation Award by Flanders Literature and Performing Arts Fund NL 2019 Winner Dutch-German Kinder- und Jugenddramatiker*innenpreis 2020
Gewinner des Übersetzungspreises des Flanders Literature and Performing Arts Fund NL 2019 Gewinner des Niederländisch-Deutschen Kinder- und Jugenddramatiker*innenpreises 2020
„Der Mann im Tauchanzug“ wurde bereits in folgende Sprachen übersetzt / „The Wetsuitman“ has already been translated into the following languages.: English and Finnish
Eine Übersetzung ins Französische ist in Arbeit / Translation into French in work
Die Übersetzerin / The translatorBarbara Buri
Foto: Franziska Hund
Barbara Buri (Switzerland, Täuffelen, 1939) is an actress, costume designer and translator. She translated renowned Dutch and Flemish playwrights such as Bart Moeyaert, Ad de Bont, Arne Sierens and Jeroen Olyslaegers. She lives in Frankfurt am Main.
Barbara Buri (Schweiz, Täuffelen, 1939) ist Schauspielerin, Kostümbildnerin und Übersetzerin. Sie übersetzte bekannte niederländische und flämische Dramatiker wie Bart Moeyaert, Ad de Bont, Arne Sierens und Jeroen Olyslaegers. Sie lebt in Frankfurt am Main.
María Velasco Gonzáles, Ich will die Menschen ausroden von der Erde [Talaré a los hombres de sobre la faz de la tierra], Madrid 2020, Übersetzung aus dem Spanischen von Franziska Muche, Berlin 2022
Die Autorin / The author
María Velasco hat mehr als ein Dutzend Theaterstücke veröffentlicht, 2022 erschienen fünf ihrer Stücke unter dem Titel Parte de lesiones (Personenschaden) in einem Sammelband im renommierten Verlag La Uña Rota. Ihr Stück Die Einsamkeit der Hundesitter (The Loneliness of Dog Sitters) liegt in der Übersetzung von Franziska Muche und Carola Heinrich als Teil der Anthologie Schattenschwimmer. Neue Theatertexte aus Spanien (Neofelis, Oktober 2022) vor. Für Talaré a los hombres de sobre la faz de la tierra (dt. Ich will die Menschen ausroden von der Erde, aus dem Spanischen von Franziska Muche) wurde sie 2022 mit dem Premio Max als beste Theaterautorin und dem internationalen Autor*innenpreis des Heidelberger Stückemarkts ausgezeichnet.
María Velasco has published more than a dozen plays, and in 2022 five of her plays appeared under the title Parte de lesiones (Personal Injury) in an anthology published by the renowned La Uña Rota. Her play La soledad del paseador de perros (The Loneliness of Dog Sitters) is available in translation by Franziska Muche and Carola Heinrich as part of the anthology Schattenschwimmer. New Theater Texts from Spain (Neofelis, October 2022). For Talaré a los hombres de sobre la faz de la tierra (Engl. I will wipe men off the face of the earth; translation into English by Kelsi Vanada, from Spanish into German by Franziska Muche) she was awarded the Premio Max as best playwright and the international playwright prize of the Heidelberg Stückemarkt in 2022.
Das Stück/ The play
Familienausflug ins Grüne. Es gibt fettes Fleisch und Alkohol und ein junges Mädchen schreibt, an einem Baum gelehnt, in ihr Tagebuch – bis sie bemerkt, dass ihre Haare am Harz des Baumes festkleben und der Vater mit der Schere anrückt. Dasselbe Mädchen wird später von der Mutter ihres Exfreundes belehrt, begräbt ihren Onkel, prostituiert sich zur Finanzierung ihrer Promotion, versagt bei der Verteidigung in den Augen der männlichen Prüfer und kehrt schließlich zum Baum zurück. Ein subtiles, schmerzhaftes Stück über Misogynie und Rollenmuster, für das María Velasco mit dem Internationalen Autor*innenpreis des Heidelberger Stückemarktes und dem Max Award 2022 für das beste Theaterstück ausgezeichnet wurde.
Family outing in the countryside. There is fatty meat and alcohol and a young girl, leaning against a tree, writes in her diary – until she notices that her hair is stuck to the resin of the tree and her father approaches with the scissors. The same girl is later lectured by her ex-boyfriend’s mother, buries her uncle, prostitutes herself to finance her doctorate, fails her defense in the eyes of male examiners, and finally returns to the tree. A subtle, painful play about misogyny and role patterns, for which María Velasco was awarded the International Autor*innenpreis of the Heidelberg Stückemarkt and the Max Award 2022 for the best play.
Heidelberg Stückemarkt, 7.5.2022. Frankfurt Book Fair, Spanish Pavilion (replay of the Heidelberg Reading): 19.10.2022. Theaterhaus G7, Mannheim 12.11.2022.
Förderungen, Preise / Grants, prices
Internationaler Autor*innenpreis des Heidelberger Stückemarkts
International Author Award of the Heidelberg Stückemarkt
„Ich will die Menschen ausroden von der Erde“ wurde bereits in folgende Sprachen übersetzt: Französisch, Englisch / “I will wipe men off the face of the earth”has already been translated into the following languages: French, English
Die Übersetzerin / The translator Franziska Muche
Foto: Lolo Vasco
Franziska Muche ist freie Übersetzerin für Theater. Sie ist Diplomkulturwirtin mit Schwerpunkt Spanien/Lateinamerika (Univ. Passau), Licenciada in Übersetzung und Dolmetschen (Univ. Granada) und ausgebildete Schauspielerin (Michael Tschechow Studio/ZAV). Von 2013 bis 2016 leitete sie die Reihe szenischer Lesungen Ambigú in der Alten Kantine Wedding, seit 2022 leitet sie Ambigú gemeinsam mit Alexander Schröder im Berliner Theater unterm Dach (www.ambigu.info). Sie übersetzt zeitgenössische Theatertexte aus dem Spanischen und, zusammen mit Pilar Sánchez Molina, auch ins Spanische, und übertitelt Gastspiele. Zu ihren Übersetzungen zählen u.a. Texte von Sergio Blanco, Manuela Infante, María Velasco, Guillermo Calderón, Jose Manuel Mora; Marius von Mayenburg, Sibylle Berg und Rebekka Kricheldorf. 2020 wurde sie mit einem Exzellenzstipendium des Deutschen Übersetzerfonds ausgezeichnet. 2021 und 2022 war gab sie mit Carola Heinrich zwei Anthologiebände zur spanischsprachigen Dramatik heraus und leitete die damit verbundenen Veranstaltungen im Rahmen von panorama#1 und panorama#2 von Drama Panorama e.V. Seit 2021 hält sie Vorträge und Seminare zur Theaterübersetzung an Hochschulen. Sie lebt in Berlin.
Franziska Muche is a freelance translator for theater. She holds a degree in Cultural Studies with a focus on Spain/Latin America (Univ. Passau), Licenciada in Translation and Interpreting (Univ. Granada) and is a trained actress (Michael Tschechow Studio/ZAV). From 2013 to 2016 she directed the series of staged readings Ambigú at the Alte Kantine Wedding, since 2022 she directs Ambigú together with Alexander Schröder at the Berliner Theater unterm Dach (www.ambigu.info). She translates contemporary theater texts from Spanish and, together with Pilar Sánchez Molina, also into Spanish, and surtitles guest performances. Her translations include texts by Sergio Blanco, Manuela Infante, María Velasco, Guillermo Calderón, Jose Manuel Mora; Marius von Mayenburg, Sibylle Berg, and Rebekka Kricheldorf. In 2020, she was awarded an Excellence Scholarship from the German Translator Fund. In 2021 and 2022 she edited two anthology volumes on Spanish-language drama with Carola Heinrich and directed the associated events as part of panorama#1 and panorama#2 of Drama Panorama e.V. Since 2021 she has given lectures and seminars on theater translation at universities. She lives in Berlin.
Juan Mayorga, Himmelweg [Himmelweg], Madrid 2003; Übersetzung aus dem Spanischen von Stefanie Gerhold, Berlin 2022
Neofelis Verlag, Berlin 2022 in: F. Muche / C. Heinrich [Hrsg.], Schattenschwimmer, neue Theatertexte aus Spanien; Aufführungsrechte: Hartmann & Stauffacher Verlag, Köln
Der Autor / The author
Juan Mayorga (*1965 Madrid) zählt zu den bedeutendsten Dramatikern Spaniens. Seine zahlreichen Theaterstücke wurden in mehr als dreißig Sprachen übersetzt, auf Bühnen Europas, Amerikas und Asiens inszeniert und vielfach ausgezeichnet. Zuletzt erhielt er 2022 den Premio Princesa de Asturias de las Letras. Seit 2018 ist er Mitglied der Real Academia Espaiiola. Er unterrichtet Szenisches Schreiben an der Universidad Carlos III in Madrid und ist künstlerischer Leiter des ebenfalls dort ansässigen Teatro de la Abadfa. Er lebt in Madrid.
Juan Mayorga (*1965 Madrid) is one of Spain’s most important playwrights. His numerous plays have been translated into more than thirty languages, staged on stages in Europe, America, and Asia, and have won numerous awards. Most recently, he received the Premio Princesa de Asturias de las Letras in 2022. He has been a member of the Real Academia Espaiiola since 2018. He teaches scenic writing at the Universidad Carlos III in Madrid and is artistic director of the Teatro de la Abadfa, also based there. He lives in Madrid.
Das Stück / The play
Ein Delegierter des Internationalen Roten Kreuzes besucht ein Konzentrationslager. Ihm wird eine heile Welt präsentiert: Flaneure im Park, spielende Kinder, bunte Luftballons. Doch kleine Unstimmigkeiten irritieren ihn, und bald ahnt er, dass man ihm etwas vorspielt. Was zunächst wirkt wie ein Theaterstück über das „Vorzeigelager“ Theresienstadt, ist ein dramaturgisch vielschichtiger Text, der die propagandistische Täuschung zur Ausgangslage nimmt für verstörende Fragen: Wie inszeniert ist unsere Wirklichkeit? Sind wir Teil eines Spiels? Wo ist die Grenze, aber der wir nicht mehr mitmachen? Das Leben der Lagerinsassen hängt von ihrer schauspielerischen Leistung ab, doch die Proben verlaufen immer grotesker, und der theatrale Rahmen selbst gerät ins Wanken.
A delegate of the International Red Cross visits a concentration camp. He is presented with an ideal world: Strollers in the park, children playing, colorful balloons. But small inconsistencies irritate him, and soon he suspects that he is being played. What at first seems like a play about the „showcase camp“ Theresienstadt is a dramaturgically complex text that takes the propagandistic deception as a starting point for disturbing questions: How staged is our reality? Are we part of a game? Where is the limit beyond which we no longer participate? The lives of the camp inmates depend on their acting performance, but the rehearsals become increasingly grotesque, and the theatrical framework itself begins to falter.
Lesungen der Übersetzung / Translation readings
Halbszenische Aufführung /DSE in Dinslaken am 2. Juli 2022. Szenische Lesung durch das Theater Heidelberg auf der Buchmesse in Frankfurt am 19.10.2022.
Semi-staged performance /DSE in Dinslaken on July 2, 2022. Staged reading by Theater Heidelberg at the Frankfurt Book Fair on Oct. 19, 2022.
Förderungen der Übersetzung/ Translation promotions
Übersetzungsförderung durch die Spanische Verwertungsgesellschaft SGAE, Aufenthaltsstipendium des Goethe Instituts in Madrid im März 2022.
Translation grant from the Spanish Collecting Society SGAE, residency grant from the Goethe Institute in Madrid in March 2022.
„Himmelweg“ wurde bereits in folgende Sprachen übersetzt: Französisch, Englisch, Norwegisch, Portugiesisch, Italienisch. / „Heaven’s Path“ has already been translated into the following languages: French, English, Norwegian, Portuguese, Italian.
Die Übersetzerin/ The translator Stefanie Gerhold
Foto: Michaela Krause
Stefanie Gerhold (*1967 München) ist Übersetzerin und Autorin. Sie hat zahlreiche Prosawerke und Theaterstücke aus dem Spanischen übersetzt und wurde zweimal mit dem Übersetzerpreis der Spanischen Botschaft in Deutschland ausgezeichnet. Zu ihren Veröffentlichen zählen mehrere Essays zu interkulturellen Fragen. Sie lebt in Berlin.
Stefanie Gerhold hat bereits mehrere Stücke von Juan Mayorga übersetzt, die der Verlag Hartmann & Stauffacher in seinem Programm führt:
Stefanie Gerhold (*1967 Munich) is a translator and author. She has translated numerous prose works and plays from Spanish and has twice been awarded the Translator’s Prize of the Spanish Embassy in Germany. Her publications include several essays on intercultural issues. She lives in Berlin.
Stefanie Gerhold has already translated several plays by Juan Mayorga, which the publishing house Hartmann & Stauffacher carries in its program:
Galina Klimowa (Eurodram), Heinz Schwarzinger (Eurodram und Übersetzer R. Bardutzky Französisch), Aleksandra Lukoszek (Eurodram und Überetzerin R. Bardutzky Polnisch), Raphaela Bardutzky (Autorin FISCHER FRITZ), Emilie Leconte (Autorin BERTRAND FÄLLT AUS), Carsten Brandau (Eurodram, Autor), Wolfgang Barth (Eurodramm Koordination, Übersetzer Französisch), Pascal Wieand (Theaterhaus G7, Künstlerischer Leiter und Geschäftsführer), Inka Neubert (Theaterhaus G7, Künstlerische Leiterin und Geschäftsführerin). Die Autorin Rike Reiniger (RISSE IN DEN WÖRTERN) und der Autor Akın Emanuel Şipal (MUTTER VATER LAND) sind nicht auf dem Foto, aber weiter unten im Text.
Vom 11. bis 13. November 2022 fanden am Theaterhaus G7 in Mannheim die Lesungen und szenischen Lesungen der Auswahl 2022 des deutschsprachigen Komitees EURODRAM statt:
Raphela Bardutzky, FISCHER FRITZ, Rike Reiniger RISSE IN DEN WÖRTERN und Akın Emanuel Şipal, MUTTER VATER LAND. Die Lesungen der Auswahl waren möglich dank der Förderung durch den Deutschen Literaturfonds im Rahmen des Programmes „Neustart Kultur“ der Bundesregierung.
Sie waren eingebettet in das erstmalig durchgeführte Festival STÜCK FÜR STÜCK des Theaters, das drei weitere Stücke vorstellte: DER MANN AUS PODOLSK von Dmitri Danilow, überersetzt aus dem Russischen von Elena Finkel, ICH WILL DIE MENSCHEN AUSRODEN VON DER ERDE von María Velasco, übersetzt aus dem Spanischen von Franziska Muche, und BERTRAND FÄLLT aus von Emilie Leconte, übersetzt aus dem Französischen von Wolfgang Barth. Für diesen Teil des Festivals war das Theaterhaus G7 finanziell zuständig. Eine Förderung erfolgte über die Stadt Mannheim, das Land Baden-Württemberg und ebenfalls das Programm „Neustart Kultur“.
Auch diese drei Stücke haben etwas mit EURODRAM zu tun: Sie waren oder sind Bestandteile der Leseliste und/oder fanden den Weg in eine Shortlist. Hier zeigt sich die außerordentlich fruchtbare Zusammenarbeit zwischen dem Theaterhaus G7 und dem deutschsprachigen Komitee, was Inka Neubert und Pascal Wieand (beide Theaterleitung und Geschäftsführung) bei den Einführungen zu den Lesungen betonten. Das deutschsprachige Komitee dankt ihnen an dieser Stelle von Herzen. Was wären wir ohne euch?
Die Autor*innen Raphaela Bardutzky, Rike Reiniger, Akın Emanuel Şipal, Emilie Leconte und zwei ihrer Übersetzer*innen, Aleksandra Lukoszek (Polnisch) und Heinz Schwarzinger (Französisch) waren bei den Lesungen anwesend und haben sich dort zum Teil das erste Mal persönlich gesehen. Dmitri Danilow und María Velasco waren über Zoom zugeschaltet.
Die sechs Regisseur*innen Inka Neubert, Aurélie Julia, Jana Nerz, Pascal Wieandt, Milica Cortanovacki und Philippe Mainz waren da und natürlich die Schauspieler*innen Mirjam Birkl, Moritz Hahn, Sina Peris, Vincenzo Tatti, Thore Baumgarten, Thomas Cermak, Vivien Zisack, Julija Komerloh, Marie Scholz, Mounir Saidi, Katharina Pauls, Bernadette Evangeline Schlottbohm, Johanna Witthalm, Oliver Dawid, Maximilian Wex, Aurélie Youlia (Reihenfolge der Stücke). Linda Johnke und Marcela Snášelová (Ausstattung und Kostüm) schufen Voraussetzungen. Elisa Berdica hat professionell fotografiert.
Gedolmetscht haben Galina Franzen (Russisch), Wolfgang Barth (Französisch) und Sabine Giersberg (Spanisch).
Ein Novum war die Moderation der Diskussionen durch namhafte, beinahe ausschließlich externe Dramaturg*innen: Sascha Hargesheimer (Nationaltheater Mannheim), Philipp Bode (Theaterhaus G7), Nazli Saremi (Nationaltheater Mannheim), Udo Eidinger (Theater Erlangen), Maria Schneider (Theater Heidelberg), Miriam Fehlker (Theater Baden-Baden).
Die folgende PDF-Datei zeigt das Programm des Gesamtprojektes. Sie können ihm entnehmen, dass Joshua Nerz (Technische Leitung), Tom Steyer (Technik) und Robert Kammerer (Assistenz) wesentlich zum Gelingen beitrugen, erfahren, wer für Künstlerische Leitung, Organisation und EURODRAM-Koordination zuständig war, und einiges mehr.
Die Zusammenarbeit so vieler Menschen für das Theater, ihre Anwesenheit in Mannheim, ihre Persönlichkeit, besonders aber der Geist des Theaterhauses G7 und seines Publikums haben dieses Theaterwochenende zu einem unvergesslichen Ereignis gemacht.
Wolfgang Barth
Für jedes Theaterstück enthält das Programm Zusammenfassungen. Sie können es herunterladen oder direkt hier scrollen und verkleinern/vergrößern.
Szenische Lesung Dmitri Danilow, Der Mann aus Podolsk, aus dem Russischen von Elina Finkel
Die Musik zu den Tanzszenen "Chicago Seven - Kak dela Normal'no" ist auf einigen YouTube-Kanälen gesperrt. Text auf Deutsch: Wie geht's dir? Normal / Normal gibt es nicht / Uns geht's normal, wirklich nicht real [...] / Wirklich nicht real / Wirklich nicht real [...].
Ein russisches Theaterstück in einer szenischen Lesung?
Theater findet nicht im luftleeren Raum oder im Elfenbeinturm statt, sondern in einem konkreten politischen und gesellschaftlichen Kontext. Täglich fallen dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine Menschen zum Opfer. Kann man in dieser Situation die szenische Lesung eines russischen Theaterstückes durchführen?
Das europäische Netzwerk für Theater in Übersetzung EURODRAM umfasst an die dreißig nach Sprachen organisierte Lese- und Bewertungskomitees in Europa und dem angrenzenden Raum. Darunter ein ukrainisches und ein russisches.
Auch das deutschsprachige Komitee nimmt für die Auswahl 2023, die wir zurzeit vorbereiten, ukrainischsprachige und russischsprachige, ins Deutsche übersetzte Stücke an. Wir bewerten sie nach ihrer künstlerischen Qualität und dem Gewicht ihres Inhalts. Wir sehen aber auch ihre Haltung gegenüber der Demokratie und den Menschenrechten. Die Förderung eines den Angriffskrieg verherrlichenden oder das gegenwärtige politische System Russlands unterstützenden Stückes oder einer/eines diese Ziele vertretenden Autorin oder Autors käme für uns nicht in Frage. Wir sind mit den ukrainischen und russischen Autor*innen solidarisch, die sich in ihren Werken gegen die Aggression erheben.
Ein Stück von vornherein auszuschließen, weil Autor*in oder Übersetzer*in russisch sind oder russisch sprechen, wäre fatal. Viele von ihnen leben im Exil und tragen mit ihren Stücken und Übersetzungen zur Verteidigung und Etablierung demokratischer Rechte bei. Sie sind selbst Opfer des politischen Systems. Ihre Stimmen dürfen nicht zum Schweigen gebracht werden. Auch die der noch im Lande lebenden Schriftsteller*innen nicht, denen dies dort widerfährt, wenn sie, in dieser Weise beschädigt, überhaupt noch zu uns durchdringen.
Dies zur Entscheidung des Theaterhauses G7, das Stück DER MANN AUS PODOLSK von Dmitri Danilow in einer szenischen Lesung vorzustellen.
Galina Franzen, Mitglied des deutschsprachigen Komitees, deren Familie zum Teil noch in Russland lebt, die bei der Diskussion nach der Lesung des Stückes für den Autor gedolmetscht hat und ihn in Moskau besuchte, hat hierzu etwas zu sagen.
Wolfgang Barth
Für Inka Neubert, mit der ich sprach, Regisseurin der szenischen Lesung und als Künstlerische Leiterin und Geschäftsführerin des Theaterhauses G7 Gastgeberin für die Lesungen in Mannheim, stellte sich die Frage, ob es derzeit generell problematisch sei, ein russisches Stück zu inszenieren, nicht. Für „Stück für Stück“ hatte sie neben der Auswahl 2022 des deutschsprachigen Komitees EURODRAM sehr viele Stücke gelesen, eine große Menge Material gesichtet. Die Herkunft des Autors habe dabei keine Rolle gespielt (siehe hierzu Inkas Aussage weiter unten).
Ist das Stück „Mann aus Podolsk“ nur in einem konkreten politischem Kontext zu sehen? Oder geht es um den Menschen unabhängig vom Land und dessen politischem System ? Sprechen wir von Willkür in einem autoritären Staat oder von einem Menschen, dessen Leben in Gewohnheiten erstarrt ist, der studiert, was ihn gar nicht interessiert, der einen Job macht, den er nicht mag, dem der Ort, in dem er lebt, egal ist? Handelt es sich um einen Russen oder einen Deutschen, Franzosen oder Amerikaner?
Für Rike Reiniger (Autorin von „Risse in den Wörtern“), die diese Fragen bei der Diskussion stellte, stand weniger das politische System im Vordergrund als der Mensch. Dmitrij Danilow war ihr per Zoom dankbar für diese Gewichtung seiner Message. Er habe von der Hilflosigkeit eines Menschen gegenüber seinen Lebensumständen erzählen wollen, von der freiwilligen Hinnahme des öden, farblosen Charakters seiner Lebensgestaltung. Dies sei eine universale Thematik, die für jeden Menschen Bedeutung erlangen könne.
Wie empfindet es ein Autor, wenn sein Text in einer anderen Sprache, unter fremdem Himmel in einem anderen Land inszeniert wird? Ist es ein Problem, dass Regisseur*innen, Dramatiker*innen, Darsteller*innen auch im übertragenen Sinne nicht immer die gleiche Sprache sprechen? Hat man als Autor ein Problem damit? Ist Dmitrij mit der Übersetzung seines Stückes „Der Mann aus Podolsk“ und der Übertragung auf die Bühne des Theaterhauses G7 in Mannheim einverstanden?
Dmitrij erzählte, er gehöre nicht zu den Autoren, die eifersüchtig eine Inszenierung verfolgen und sogar um einen Kratzer am Hals einer Schauspielerin mit einem Regisseur streiten können. Er sei immer froh, wenn seine Stücke weltweit gezeigt würden und Menschen verschiedener Kulturen seine Texte umsetzten. Im Gegenteil sei es für ihn eine spannende Erfahrung zu erleben, wie kreative Menschen anderer Länder seine Stücke lesen und interpretieren. Schade sei jedoch, dass er bei der Aufführung nicht live habe zuschauen können, besonders jetzt sei dies fast unmöglich geworden. Er sehne sich sehr nach einer solchen Möglichkeit. Die Menschen aus den Kulturbereichen der ganzen Welt müssten zusammenhalten und sich unterstützen. Dies sei seine große Hoffnung.
Galina Franzen
Wenn ich Stücke lese, müssen sie mich persönlich berühren, damit ich sie interessant finde. Bei Danilow kommt neben der politischen Relevanz des Themas ein skurriler, absurder Witz dazu, der mich sofort angesprochen hat. Eine Situation herzustellen, die so offenbar jeder Realität widerspricht, gelingt dort sehr gut. Für mich ist tatsächlich erst einmal wichtig, ob mich der Text als solcher interessiert. Alles andere kommt danach.
Inka Neubert
Sina Peris, Vincenzo Tatti, Miriam Birkl, Moritz Hahn
Sascha Hergesheimer (Moderation, Nationaltheater Mannheim), Inka Neubert (Einrichtung), Galina Klimowa (Dolmetscherin) bei der Diskussion mit dem per Zoom zugeschalteten Autor Dmitri Danilow.
Lesung Raphaela Bardutzky, Fischer Fritz (EURODRAM AUSWAHL)
Dank Eurodram, dem europäischen Netzwerk für Theater in Übersetzung, habe ich das große Glück, dass mein Stück „Fischer Fritz“ inzwischen auf Französisch und Polnisch vorliegt – obwohl ich diesen Riesenzungenbrecher eigentlich für völlig unübersetzbar hielt.
Heinz Schwarzinger, der den Text ins Französische übertragen hat, sowie Aleksandra Lukoszek, die auf Polnisch übersetzt hat, haben mich aber eines Besseren belehrt.
Jetzt durfte ich diese zwei Sprachkünstler*innen endlich persönlich treffen, bei „Stück für Stück“ amTheaterhaus G7 in Mannheim. Wie happy kann eine Autorin sein?
Bei der Diskussion nach der Lesung nahm Raffaela Bardutzky Stellung zur Frage, ob für sie beim Schreiben die Erwartungshaltung des Publikums einen hohen Stellenwert hatte. Raphaela erklärte, dass sie den gesamten Text aus einem einzigen, sehr bekannten Zungenbrecher heraus etwickelt habe („Fischer Fritz…“). Der sprachliche, künstlerische Aspekt habe bei der Gestaltung des Stückes stets eine Rolle gespielt. Ola (Aleksandra) und sie hätten sich dem Problem stellen müssen, dass es für polnische Zungenbrecher kein direktes Äquivalent im Deutschen (und umgekehrt) gebe und sie von daher schwer oder gar nicht zu übersetzen seien. Das Stück setzte also an einem dem Publikum sehr bekannten Phänomen an, das im Stück durchgängig auftauche.
Lesung Akın Emanuel Şipal, Mutter Vater Land (EURODRAM AUSWAHL)
Marie Scholz, Thomas Cermak, Mounir Saidi, Thore Baumgarten, Julja Komerloh
Dias: Akın Emanuel Şipal entspannt im Foyer und beim Gespräch mit dem Publikum (rechts oder links scrollen).
Nazli Saremi (Nationaltheater Mannheim, Moderation), Autor Akın Emanuel Şipal, Jana Nerz (Einrichtung)
Akın Emanuel Şipal lobte in der Diskussion die große Empathie der Schauspieler*innen, die zur lebendigen und zutreffenden Darstellung der Charaktere und Handlungen seines Stückes geführt hätten, und nahm Stellung insbesondere zu dessen autobiographischen Aspekten. Es gehe aber darüber hinaus „um ein tieferes Verständnis der türkisch-deutschen Beziehungen […], also die tief verankerte Rivalität mit und Angst vor den Osmanen, die prägend war und irgendwo unterschwellig vielleicht noch wirkt…, den ‚akademischen Austausch‘, also die Flucht jüdischer Akademiker in die junge türkische Republik, aber auch die Flucht eines Nazis nach Istandbul nach dem 2. Weltkrieg (Gerhard Fricke).“
Thema war auch die Frage nach der küntlerischen Freiheit, zu der Akın am Beispiel der Entstehung des vorgestellten Stückes Stellung nahm:
Ich schreibe nicht, was ich möchte, sondern schreibe, was ich schreiben kann, was sich schreibt… dass ich nicht gedacht habe, jetzt schreibe ich aber mal Dialoge… dass es da keine Entscheidung gab, sondern die Dialoge sich einfach anboten, der Inhalt hat sich mir in den Dialogen präsentiert… dieses gleichzeitige Auftreten von Form und Inhalt, ein Segen.
Akın Emanuel Şipal
Szenische Lesung María Velasco, Ich will die Menschen ausroden von der Erde, aus dem Spanischen von Franziska Muche
Pascal Wieand (Einrichtung), Udo Eidinger (Moderation, Theater Erlangen) und Sabine Giersberg (Dolmetscherin Spanisch) bei der Diskussion mit der per Zoom zugeschalteten Autorin María Velasco.
Beeindruckende Ausstattung von Marcela Snášelová.
Johanna Withalm, Bernadette Evangelina Schlottbohm, Katharina Pauls
Für eine Freundin als Dolmetscherin eingesprungen, war ich bei der Vorbereitung schon beim Titel ‚Ich will die Menschen ausroden von der Erde‘ am Haken und in der Folge fasziniert von dem ungeheuer dichten, wirkmächtigen Text. Richtig gepackt hat er mich dann in der Inszenierung auf der Bühne, als das Wortgewitter in Gestalt von drei starken Frauen erlebbar wurde. Ein schonungsloser Text, der bewegt, aufwühlt, schockiert, durch den allgegenwärtigen Humor und den versöhnlichen Schluss aber auch etwas Befreiendes hat.
Sabine Giersberg, Übersetzerin
Lesung Emilie Leconte, Bertrand fällt aus, aus dem Französischen von Wolfgang Barth
Aurélie Youlia,Vincezo Tatti, Marie Scholz, Oliver David (liegend); Bertrand kann zwar nicht mehr aufstehen, produziert aber Konfetti, weil "niemand sicher sein kann, dass nicht plötzlich etwas Schönes passiert".
Milica Cortanovacki (Einrichtung), Maria Schneider (Moderation,Theater Heidelberg), Autorin Emilie Laconte, Wolfgang Barth (Übersetzer des Stückes und Dolmetscher bei der Diskussion).
In der Diskussion erläuterte Emilie Leconte, dass bei ihrem Stück die eigentliche Aussage nicht in dem liege, was Bertrand, der Protagonist, und andere Personen sagten, sonder vielmehr in dem, was sich im Umgang mit ihren Fällen durch Instanzen der Gesellschaft zeige, also eher zwischen den Zeilen, im nicht Gesagten. Ihre Stücke stünden in der Tradition des absurden Theaters (Ionesco, Beckett, besonders auch Gombrowitz, dessen Protagonistin in „Yvonne, die Burgunderprozessin“ sehr viel mit Bertrand gemeinsam habe), und dies müsse sich in Inszenierungen zeigen. Die Schauspieler*innen seien im wörtlichen Sinne typisierte „Rollenträger“, nicht imitierende Darsteller natürlicher Verhaltensweisen und Vorgänge.
[Übersetzung des folgenden Textes von Wolfgang Barth]
Das Theaterhaus trägt seinen Namen zu Recht, man fühlt sich hier sofort wie zu Hause, auch wenn ich als Französin nicht alles verstehe, was dort gesprochen wird. Die Atmosphäre ist besonders sanft, einladend und warmherzig. Der Theaterraum ist so konzipiert, dass man sich sowohl den Schauspielern als auch den anderen Zuschauern nahe fühlt.
Als ich den Saal zur Lesung betrat, war der Boden mit Konfetti übersät, wie ich es mir beim Schreiben des Stücks vorgestellt hatte. Ich hatte eine Tischlesung erwartet und entdeckte zu meiner Freude eine räumliche Umsetzung, die für die Zuschauer ein starkes Bild ergab: Bertrand in der Mitte, zahlreiche Personen drängen sich um den Tisch, auf dem er liegt, und setzen sich mit dem Unerklärlichen auseinander.
Ich spreche nicht Deutsch, aber nehme dennoch den Sprach- und Spielrhythmus der Schaupielerinnen wahr, der mir gefällt und sehr passend erscheint.
Manchmal lachen die Zuschauer und ich versuche dann, die zugrundeliegende Zeile des Originals zu erfassen. Es gelingt mir nicht immer, aber darauf kommt es nicht an. Eines meiner Stücke in einer Sprache zu sehen, die ich nicht verstehe, ist für mich beeindruckend und bewegend. Ich löse mich vom Text und beobachte ausnahmsweise einmal alles andere…
Nun habe ich das Theaterhaus verlassen und kehre nach Paris zurück. Noch immer aber stehe ich unter dem Zauber dieses Ortes, dessen Engagement für die Autoren*innen so wertvoll ist, und diesen schönen Theaterbegegnungen.
Emilie Leconte
Szenische Lesung Rike Reiniger, Risse in den Wörtern (EURODRAM AUSWAHL)
Moritz Hahn als Sascha in einer außergewöhnlichen Einzelrolle.
Auf dem Weg zur Untersuchungskommission der Bundeswehr tauchte Moritz Hahn bereits im Foyer auf.
Miriam Fehlker (Moderation, Theater Baden-Baden), Autorin Rike Reiniger, Philippe Mainz (Einrichtung) bei der Diskussion.
In einer Zeit, in der in der Ukraine und an anderen Stellen der Welt der Kriegt tobt und man sich fast schon daran gewöhnt hat, erscheint die von Moritz Hahn so eindringlich vorgetragene Geschichte des Soldaten Sascha, der sich wegen „schwerer Dienstrpflichtverletzung“ in Afghanistan verantworten muss, von besonderer Bedeutung. Wie sein literarisches Vorbild Edlef Köppen („Heeresbericht“), Veteran des Ersten Weltkrieges, soll auch er als verrückt erklärt werden.
Rike Reiniger schreibt in der Bahn auf dem Rückweg von der Lesung nach Hause spontan hierzu:
„Abdul. Vielleicht hieß er Abdul. „, sagt Sascha, der Soldat, und Moritz Hahn als Schauspieler fokussiert den Lichtkegel auf dem blanken Bühnenboden. Dazu hören wir Sätze aus den Boxen, deren Sinn nicht zu verstehen ist. Der tote Taliban-Kämpfer fehlt in dem Lichtkegel, wir kennen ihn nicht, werden ihn nie kennenlernen. Die Sätze der Personen, die sich für so normal halten, dass sie Sascha für verrückt erklären können, verstehen wir nicht, weil sie nicht zu verstehen sind. Es sind gerade diese Leerstellen, die meinem Stücktext über den unentwirrbaren Knoten, in dem ein Soldat in Afghanistan feststeckt, so viel hinzufügen, dass ich ihn in der Inszenierung von Philippe Mainz neu entdecke. Vielen Dank dafür! RR
Seele des Theaterhauses G7: Künstlerische Leiter*in und Geschäftsführer*in Inka Neubert und Pascal Wieandt.
Das deutschsprachige Komitee EURODRAM bedankt sich herzlich bei allen Beteiligten und besonders beim DEUTSCHEN LITERATURFONDS, der die Lesung der Stücke der Auswahl durch seine Förderung mit dem Programm NEUSTART KULTUR ermöglicht hat.
Übersetzung polnische Textteile [im Original; Hinweis W.B.]: Aleksandra Lukoszek. Kiepenheuer Bühnenvertrieb Berlin-Dahlem; UA am 18. Juni 2022 am Deutschen Theater Berlin durch das Schauspiel Leipzig
Übersetzung ins Polnische: Aleksandra Lukoszek (aleksandra.lukoszek@gmx.de) Übersetzung abgeschlossen. Förderung durch das Goethe-Institut
Übersetzung ins Französische: Heinz Schwarzinger (schwarzinger.heinz@gmail.com) Übersetzung abgeschlossen. Förderung auf eigene Initiative durch die MAV (Maison Antoine Vitez)
RIKE REINIGER, RISSE IN DEN WÖRTERN
Theaterstückverlag München. UA 25.10.2018 Theater der Altmark Stendal; Buchfassung KLAK Verlag Berlin 2018
Übersetzung ins Französische: Nicole Desjardins (damedesjardins@gmail.com) Übersetzung abgeschlossen (Dezember 2022).
AKIN EMANUEL ŞIPAL, MUTTER VATER LAND
Suhrkamp Verlag AG Berlin, UA 17.06.2021 Theater Bremen
Übersetzung ins Tschechische: Viktorie Knotkova viktorie_knotkova@yahoo.com) Übersetzung in Arbeit. Förderung durch das Goethe-Institut
Der Text basiert auf einem Gespräch, das Maxi Obexer und Rike Reiniger geführt haben.
Wir wissen wenig von den Einsätzen der Bundeswehr, von den Aufträgen und von den Zielen in den Krisen- und Kriegsländern. Wer sind die Leute, die sich verpflichten – oder anstellen lassen, was sind ihre Motive? Und welche Ordnungs- und Herrschaftsstrukturen finden sie vor?
In den vielen Gesprächen, die Rike Reiniger mit Einsatzkräften der Bundeswehr geführt hat, äußert sich der dringende Wunsch, weit mehr von ihren Einsätzen zu vermitteln, um uns künftig ein besseres Urteil erlauben zu können.
Denn, so Rike Reiniger, es sollte fester Bestandteil für den demokratischen Meinungsbildungsprozess sein, Bescheid zu wissen über die Verteidigungsmacht der deutschen Bundesrepublik, schließlich sind wir die Auftraggeber.
In ihrem Stück geht es um den Einsatz in Afghanistan.
Das Stück „Risse in den Wörtern“ – besticht in seiner klaren Form: es ist ein Gerichtsprozess, der gegen einen Angeklagten Sasha geführt wird, der die Dienstvorschriften missachtet hat und nun zur Rede gestellt wird. Das Gericht – diejenigen, die urteilen und richten, sind wir – das Publikum.
Dies erinnert an die antike Tragödie, an die ursprüngliche Funktion eines politischen Theaterstücks, es geht um die Verantwortlichkeit aller – auch dann, und besonders dann, wenn es um den einzelnen, um das Individuum geht. Um die Bedingungen der Möglichkeit, ein Individuum zu sein.
Ein weiteres Motiv aus der griechischen Tragödie greift Rike Reiniger auf, es wird zum zentralen Verhandlungspunkt: Der Angeklagte hat gegen die Vorschrift einen Menschen beerdigt, der zum feindlichen Lager gehört. Wie in der „Antigone“ von Sophokles sollte der ausgemachte Feind – hier es ist ein Taliban, nicht beerdigt werden. Dies verkündet der Ortsvorsteher, ein Vertrauter der Bundeswehr, und diese hält sich an dessen Entscheidung. Schließlich geht es um Verbündete, die einander brauchen – die einen zum Schutz, der andere zur Machtdemonstration. Alle sind sie verstrickt, in einem Krieg fallen die klaren Linien zwischen Gut und Böse; die Zuweisung in Lager impliziert die Preisgabe der Moral. Vergessen wird das Menschliche und der einzelne Mensch. Sasha macht den Fehler, dass er sich mit dem getöteten Taliban identifiziert, dass er ihn als Einzelnen ausmacht und feststellt, wie sehr er ihm ähnlich sieht. Und er befragt den Toten als Menschen, fragt nach seinen Angehörigen, fragt sich, was ihn in diesen Krieg gebracht hat. Schließlich tut er das, was auch mit seinem toten Kameraden aus dem deutschen Lager getan wurde: Mit dem spärlichen Wasser, das er noch hat, wäscht er ihm das Gesicht.
Den Fall in Afghanistan stellt Reiniger in einen historischen Rahmen, in ihre Auseinandersetzung mit Edlef Köppen und seinen Aufzeichnungen in dem Buch: „Der Heeresbericht“. Edlef Köppen und sein Buch bezeugen seinen Wandel im Ersten Weltkrieg, als dieser als freiwilliger Soldat und später Offizier später zur Einsicht kommt, dass er nicht mehr kann, dass er nicht mehr will, dass er nach all dem, was er erfahren und gesehen hat, nicht mehr in diesen Krieg gehen kann. Er verweigert, wird vors Kriegsgericht gestellt und schließlich als Verrückter in die Nervenheilanstalt überwiesen. Auch hier ergibt sich eine Analogie: Für verrückt erklärt – und damit pathologisiert, wird auch das Verhalten von Sasha.
Es gibt etliche Analogien, und die führen zu dem, was für Rike Reiniger der wesentliche Punkt ihrer Auseinandersetzung ist.
Mit dem historischen Bericht von Edlef Köppen aus dem ersten Weltkrieg rückt Reiniger ein durchgängiges Motiv in ein Kontinuum des Krieges: Es geht um die Auslöschung des Einzelnen für ein größeres Ganzes, das gerade dadurch fragwürdig wird. Nur in einem Punkt unterscheidet sich der Veteran Sasha von Edlef Köppen: Sasha ist einer, dem die Sprache fehlt, dem die Wörter fehlen für die moralische Einordnung seiner Gewissensqualen, wie sie Edlef Köppen in seinem Buch beschreibt.
Die Aussagen von Köppen werden zu einer Anwaltschaft für Sasha, vor einer Richterschaft, dem Publikum. Und dieses soll die historische Einordnung in ihrem Urteil mit bedenken.
Deutlich wird zugleich die Gegenwart. Rike Reiniger geht es um die gegenwärtige Situation der Veteranen, in die leuchtet sie hinein. Und hier zeigt sich ein weiteres durchgängiges Motiv bis heute, das Thema der gesellschaftlichen Schichten. In die kriegerischen Konflikte geraten die sozial Schwachen. Es sind oft Menschen aus prekären Verhältnissen und den unterschiedlichsten existenziellen Nöten. Während die anderen über Politik reden, finden diese sich aus ganz anderen Gründen im Schlachtfeld wieder – und mit ihren Gewissensnöten.
Neben der klaren Form beeindruckt das Stück von Rike Reiniger mit einer klaren, sofort eingängigen Sprache, die voller Details ist und die zu den Hintergründen der sogenannten Einsatzkräfte führt: Was sind heute die Bedingungen jener, die in die Bundeswehr gehen? Welche prekären Lebensverhältnisse führen dazu? Die meisten, so legen die vielen Gespräche nahe, tun es aus nicht politischen Gründen. Und meist wissen sie wenig von dem, was sie erwartet, wenig von den Situationen, den Ängsten, den Nöten, mit denen sie konfrontiert werden. Das Stück ist auch eines über Klassismus und diskriminierende Strukturen aufgrund unterschiedlicher sozialer Positionen.
Das Stück ist im Dokumentarstil geschrieben, mit einer sehr auf die Details, auf die konkrete Situation bedachten, genauen Dramaturgie. Es nutzt zugleich die Möglichkeiten des fiktiven Rahmens, um es in einen größeren Kontext zu stellen.
Das Stück ist das dritte in einer Reihe von zwei anderen, die die Autorin zum Thema „Sozialer Mut“ geschrieben hat. Im ersten schreibt sie über Sophie Scholl, im zweiten über den „Zigeuner“-Boxer Trollmann, 1933 deutscher Meister im Halbschwergewicht, 1944 ermordet im KZ.
Alle drei Stücke sind bedeutsam und sollten, sowohl einzeln als auch als Trilogie, weiterhin auf der Bühne zu sehen sein.
Maxi Obexer, Theaterautorin und Schriftstellerin, wuchs in Südtirol / Italien auf; sie lebt in Berlin. Sie erhielt u.a. den Robert Geisendörfer Preis, den Eurodram-Preis 2016 für „Illegale Helfer“, sowie den Potsdamer Theaterpreis 2017 für „Gehen und Bleiben“. Der Roman "Europas längster Sommer" wurde 2017 für den Bachmannpreis nominiert. Studium der Vergleichenden Literaturwissenschaft, Philosophie und Theaterwissenschaft in Berlin. Gastprofessuren in verschiedenen US-amerikanischen Universitäten, u.a. am Dartmouth College und an der Georgetown-University in Washington. Sie lehrt regelmäßig am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. 2014 gründete sie das Neue Institut für Dramatisches Schreiben, Nids. Poetik-Preisträgerin der Alice Salomon Hochschule 2023.
www.m-obexer.de