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Übersetzung Christine Bais: Nico Boon, TRITT AUF GEHT AB

Das Stück von Nico Boon, TRITT AUF GEHT AB [Komt op/Gaat af], Belgien 2020 war in der Übersetzung von Christine Bais eines der Stücke der Auswahl 2021 des deutschsprachigen Komitees Eurodram. Es kann jetzt in vollständigem Textumfang heruntergeladen werden. Bei Verwendungsinteresse bitte Mail an Christine Bais: c.bais [a] xs4all.nl 
Ein kleiner Textauszug:

ANFANG

Am 17. Dezember 2002
wache ich mitten in der Nacht auf.

Der Dozent, der mir am Tag zuvor auf der Schauspielschule meine erste Beurteilung gab,
sitzt auf der anderen Seite des Zimmers.

Er raucht eine Barclays Filterzigarette.
Schaut mich an durch seine Brillengläser,
in denen sich die rot leuchtenden Ziffern meines Radioweckers spiegeln.

Ich weiß, dass ich halluziniere.

Der Dozent steht auf,
klopft die Asche seiner Zigarette ab,
auf eins der Bücher, die offen auf dem Fußboden liegen,
tritt an mein Bett
und beugt sich über mich.

Hinter den rot leuchtenden Brillengläsern
sehe ich die Falten um seine strengen, durchdringenden,
meist ironisch blickenden Augen.

Träge führt er seinen Zeigefinger in Richtung meiner Stirn.
Hält einige Millimeter vor meiner Haut inne.
Murmelt, kaum verständlich: „Ist da eigentlich jemand, in diesem Kopf?“
Tippt dann mit dem Zeigefinger auf meine Stirn,
im regelmäßigen Rhythmus eines mehrfachen SOS-Morsezeichens.

Bis ich – der eigentlich schon schläft –
im Schlaf
wieder in Schlaf falle.

Der Geruch seines Davidoff-Deodorants
wabert dann noch eine Weile durchs Zimmer.

Am nächsten Tag,
dem 18. Dezember 2002,
zufällig mein Geburtstag,
nehme ich nicht meinen gewohnten Weg ins Stadtzentrum,
sondern entschließe mich,
einen langen Umweg zu machen.

Warum, weiß ich nicht genau.
Vielleicht, weil mir ein langer Umweg
eine schöne Metapher für mein Leben scheint.

Am Vossenplatz werde ich müde
und setze mich auf eine Bank.

Ein Mann, den ich aus dem Café kenne, läuft vorbei.
Ich winke.

Ich scrolle,
weil mir das eine Funktion zu verleihen scheint,
durch die Nachrichten auf meinem Handy.

Dann schaue ich nach links.

Zwischen meiner Bank
und dem Mülleimer ein Stückchen weiter,
sehe ich etwas liegen.
Etwas Rechteckiges.

Ein Päckchen, so scheint es.

Ich gehe hin.
Wickle ohne groß nachzudenken die gelbe Papiertüte ab,
schlage das Buch, das darin war, auf.

Und spüre sofort, wie ich hineingezogen werde.

 […]

Charlotte Bomy: Interview mit Christine Bais über ihre Übersetzung   Nico Boon über sein Stück "Tritt auf/ Geht ab" Übersetzung Abke Haring

Gilles Boulan: GA EURODRAM Madrid 19.-21.11.2021

Übersetzung aus dem Französischen ins Deutsche (Original leicht verändert): Wolfgang Barth
Gilles Boulan, ehemals Koordinator des französischsprachigen Komitees Eurodram, schreibt regelmäßig seit vielen Jahren literarische Berichte zu den Jahreshauptversammlungen, in denen er seine persönlichen Eindrücke festhält.
Foto © Eurodram

Nach einer ereignisreichen Reise, die beinahe ihr Ende auf einem Bahnsteig in Mantes-la-Jolie genommen hätte, stehen wir nun in Madrid. Die durchaus anekdotische und nicht so wichtige Eisenbahn-Episode symbolisiert gewissermaßen in zweifelhafter Ironie den Weg, der zurückgelegt werden musste, um zu diesem Treffen in Madrid zu kommen. Seit der letzten Hauptversammlung in Montreuil sind zwei Jahre vergangen, zwei Jahre voller Einschränkungen und des erzwungenen Stillstandes, in denen unsere Widerstandskraft und die durch Verschiebungen und Unwägbarkeiten angeschlagene Begeisterung auf eine harte Probe gestellt wurden. Aber jetzt sind wir endlich da. Allen Schwierigkeiten und Pandemieauflagen zum Trotz nahm unsere Entschlossenheit keinen ernsthaften Schaden, und so sind inklusive der spanischen Freunde gut 15 Teilnehmer angereist.

Von manchen alten Gewohnheiten verabschiede ich mich, und so hatte ich nicht von vornherein vor, diese Aufzeichnungen zu verfassen. Dass sie nun vorliegen, ist dem Erfolg unseres Treffens zuzuschreiben und dem Vergnügen, das es uns bereitete. Aber wie soll man von diesen drei Tagen in Madrid erzählen ohne in ein unpersönliches Protokoll abzugleiten? Am besten lasse ich mich vom Fluss der Bilder und ungeordnet, willkürlich sich einstellender Erinnerungen tragen. Improvisation ohne Sicherheitsnetz ist angesagt, man wird schon sehen, was daraus wird.

Viviane und ich waren noch nie in Madrid, und unsere ersten Eindrücke von der Stadt gewinnen wir bei Nacht. Beim Verlassen der Metrostation Colon empfängt uns ein großer, beleuchteter Platz. Ein Stück weiter steht eine große Froschskulptur auf dem Bürgersteig gegenüber einem Kasino und einem Wachsfigurenkabinett. Das hochbeinige Kunstwerk und die Touristenattraktionen stehen in diametralem Gegensatz zur urbanen Landschaft, aber dennoch ist unser erstes Bild das einer majestätischen Metropole mit hohen, klassischen Fassaden und regelmäßig ausgerichteten Fenstern, prächtigen Gebäuden mit ehrgeiziger Architektur, Brunnenskulpturen in der Mitte der Straßenrondelle und baumbestandenen Promenaden, in deren Vegetation eingebettet Lokale ihre Terrassen öffnen. Zur Vervollständigung des nächtlichen Gemäldes hat sich der Vollmond über die Dächer geschoben und hüllt zärtlich die majestätische Umgebung in sein fahles Licht.

Foto © Eurodram

Ein Palast ist das Hostal Prim nicht, in dem wir unser Gepäck abstellen, aber es bietet in gepflegter Sauberkeit einen bescheidenen Komfort. Sein größter Trumpf ist die Lage mitten im Herzen der Altstadt, nicht weit vom Prado, dem weitläufigen Retiro-Park und vor allem vom Sitz der SGAE-Stiftung, dem spanischen Gegenstück zu unserer französischen SACD. Das Besondere des Hotels besteht darin, dass es sich im zweiten Stock eines relativ unauffälligen Gebäudes befindet, an dessen Eingangspforte man ohne Weiteres vorbeigehen kann, ohne sie zu bemerken. Man muss schon nach oben schauen, wenn man das Hotelschild sehen und die Bauarbeiten vergessen möchte, die den Bürgersteig verengen. Wir lassen die beiden Türen im Erdgeschoss hinter uns und steigen die Treppe zur zweiten Etage hoch. Den Gitterkastenaufzug haben wir mutig ignoriert, wir vertrauen ihm nicht so recht. Durch die Flurtür geht es in die Rezeption. Während wir die üblichen Formalitäten erledigen, teilt uns der Herr am Empfang mit: „Mister Wolfgang is arrived but outside with Lady Johanna.“ Obwohl das sicherlich keine wirkliche Überraschung ist, berührt uns diese Information doch wie ein Willkommensgruß.

Der Hunger treibt den Wolf aus dem Wald, sagt man. Nach schneller Einrichtung im Zimmer verlassen auch wir das Hotel wieder auf der Suche nach einem Restaurant auf dem Paseo de Recoletos. Wir geben uns keine große Mühe, entscheiden uns für ein chinesisches Restaurant, das Mandarin, und versinken dort in tiefen Sesseln, die wie Käfige aussehen. Ein noch reizvolleres Detail: Der Speisesaal befindet sich im Zwischengeschoss über einer Spielhalle mit Spielautomaten, Roulettetischen und anderen Glücksspielgeräten. Von unserem Tisch aus können wir die seltsamen Bilderkombinationen auf den Bildschirmen vor den nervösen und gespannt aufmerksamen Spielern sehen. Mit gebotener asiatischer Höflichkeit schafft es die Kellnerin, unsere Bestellung auf der Grundlage einer etwas undurchsichtigen Speisekarte auf Chinesisch und Spanisch entgegenzunehmen.

Auf dem Rückweg ruft uns Wolfgang an, und gleich darauf treffen wir ihn in Begleitung von Johanna und Nicole auf der Straße vor dem Hotel. Welche Freude, uns wiederzusehen und uns gegenseitig die Einzelheiten unserer jeweiligen Menüs zu berichten. Der Abend endet mit einer vergleichenden Zimmerbesichtigung, unsere besondere Aufmerksamkeit gilt den Duschvorhängen.

Wir hatten uns zum Frühstück, das im Hotel nicht angeboten wird, verabredet und finden uns in einer sehr modernen Bäckerei wieder, die gleichzeitig Café ist und deren Backstube man hinter einer Glastrennwand vollständig einsehen kann. Der Geruch von warmem Brot, das Zischen der Kaffeemaschinen im Dialog mit dem Kneten des Brotteiges in den Bottichen und die etwas lärmende Musik bilden den Hintergrund unserer zwangsläufig noch lauteren Gespräche. Dominique, der am Vortag etwas später angekommen war, gesellt sich zu uns, und bald ist es Zeit, zur SGAE-Stiftung zu gehen, wo unsere GA in einem kleinen, hellen und funktionalen Raum staffindet. Dort treffen wir David mit Victor und mehreren Mitgliedern des spanischen Komitees schon bei der Arbeit an. Er kämpft mit den letzten Tücken der Zoomverbindung. Neben den Frühstücksgästen sind anwesend Darko vom BCMS-Komitee, Laetitia vom italienischen, mit leichter Verspätung Mirza mit Partnerin Hicran (kurdisches Komitee) und Gergana und Ilyana, auf direktem Weg hierher gekommen nach der Landung ihres Flugzeuges aus dem fernen Bulgarien.

Der erste Teil des Vormittags gilt den Begrüßungsreden und der traditionellen Tischrunde, bei der sich jede/r in einer der drei verfügbaren Sprachen (kosmopolitisches Englisch, Kastilisch und Französisch) vorstellt. Es folgen eine kurze Darstellung der Geschichte Eurodrams anlässlich des zwanzigjährigen Bestehens des Netzwerks durch Dominique und ein Treffen mit David Perolta, dem Leiter der Joven Compania, einer Vereinigung für junge Schauspieler in einem sehr engagierten Projekt für Berufsausbildung, kulturelle Aktion und Förderung eines Repertoires für junge Erwachsene. Bei dieser Organisation sind wir am Abend zur Vorstellung der Stücke der Auswahl des spanischen Komitees eingeladen, worauf ich später zurückkomme.

Foto © Eurodram

Am Ende der Tagesordnung steht nach kurzer Kaffeepause die Vorstellung der Jahresberichte der einzelnen Komitees live durch die anwesenden Koordinator*innen, per Videokonferenz oder in Dominiques Zusammenfassung.

In betriebsamer, entspannter Stimmung und sehr sympathischem Sprachenmix vergeht der Vormittat schnell und es ist schon fünfzehn Uhr. Wir begeben uns zum Mittagessen in eine nahe gelegene Gaststätte. Die dynamische Conchita hat uns einen Tisch reserviert. Das Café Gijon ist ein berühmtes, historisches Lokal am Paseo de Recoletos, Stammkneipe vieler Madrider Schriftsteller. Die Einrichtung passt, und die Küche ist in etwa so rustikal wie die schweren Möbel aus unbehandeltem Holz. Die Atmosphäre entspricht sehr unseren Ansprüchen an Authentizität. Die Speiskarte ist auf Spanisch, aber Edouard übersetzt sie ins Französische. Diese Übersetzung muss aber noch einmal übersetzt werden, jetzt ins Englische. Der Kellner verliert in dieser mehr oder weniger disziplinierten Vielsprachigkeit ein wenig die Orientierung. Aber am Ende hat jeder seinen Teller, seine Cerveza, sein Glas Wein oder sein Mineralwasser. Gute und schlechte Überraschungen für die einen oder anderen, aber nicht bei der Rechnung, die ausgesprochen günstig ausfällt.

Die Kaffees sind getrunken, die Rechnung bezahlt, schon ist es Zeit, zur U-Bahn-Station zu gehen und zur Calle Antonio Lopez zu fahren, wo die angekündigte Lesung stattfindet. Aber diese Rechnung haben wir ohne den Wirt gemacht, denn wir müssen an der Metrostation Opera umsteigen, was eine Teilung unserer Gruppe in Treppensteiger nach oben und Rolltreppenfahrer abwärts zur Folge hat. Die Episode wird erst wieder am Aufführungsort durch den freundlichen Protest Nicoles bereinigt: „Wir haben auf euch gewartet!“

Die Spielstätte der Joven Compania befindet sich in einem volkstümlicheren Viertel, ganz anders als das Stadtzentrum. Früher war dies wohl eine recht große Fabrik mit hohen Decken, jetzt befinden sich darin die Räume eines alternativen Theaters. Am Ende des sackgassenähnlichen Eingangskorridors lesen einige junge Leute fleißig noch einmal ihren Text, das Publikum plaudert gemütlich, dann geht es in den mit einfachen schwarzen Stoffbahnen abgehängten und mit ein paar Stuhlreihen möblierten Veranstaltungsraum. Da wir kein Spanisch sprechen, sehen wir der Lesung mit gemischten Gefühlen entgegen. Grundlos, wie sich zeigt, denn die Darbietung überzeugt absolut. Eine Synopsis auf Englisch gleicht die mangelnden Sprachkenntnisse aus. Gut dreißig junge Schauspieler, schwarz gekleidete junge Frauen und Männer. bieten uns eine sehr lebendige chorische Lesung von Auszügen aus den drei Texten der spanischsprachigen Auswahl. Es herrscht Maskenpflicht, und so konzentriert sich der gesamte Gesichtsausdruck in den Blicken ohne überschwängliche Kommentare, was dem Spiel Dichte und der dramatischen Aussage Gewicht verleiht. Das konnten wir trotz der Sprachbarriere sehr gut verstehen. Nach dieser bemerkenswerten, von Victor inszenierten Lesung verweilen wir noch ein bisschen im Eingangskorridor und tauschen uns mit mehreren Mitgliedern des Ensembles aus, die wir dann wieder in einem Bistro in der Nähe treffen, wo das Bier dreimal billiger ist als im Zentrum der Königsstadt.

Die Tage sind lang in Madrid und enden in der Regel mit einer letzten Cerveza und Tapas. Die Kneipeninhaber warten geduldig, bis sie das Licht löschen können.

Foto © Eurodram

Von manchen alten Gewohnheiten verabschiede ich mich, wie gesagt, aber neue kommen schnell hinzu. So erfüllen nach einer ziemlich kurzen Nacht beim Frühstück in der modernen Bäckerei wieder am selben Tisch wie am Vortag unsere Gespräche den Raum.

Bei der SGAE hat sich nicht viel geändert, aber zwei neue Gäste sitzen am Tisch der Aula: Nikolina vom BCMS-Komitee und David vom ungarischen. Der Morgen beginnt mit der Vorstellung der Ediciones Antigona, eines auf die Übersetzung ausländischer Theaterstücke ins Spanische spezialisierten Verlages, in schnellem und klangvollem Redefluss durch die Geschäftsführerin Conchita. Wir tauschen uns sehr intensiv über die Schwierigkeiten aus, Fördermittel für diesen Verlagssektor zu bekommen. Dann folgt Paola per Zoom aus London. Sie leitet dort das Cervantes Theatre, das zeitgenössische spanische Stücke in Originalsprache oder auf Englisch zur Aufführung bringt.

Nach einer kurzen Kaffeepause findet die eigentlich Hauptversammlung (GA) statt, deren durch Videokonferenzbeiträge unerwartet veränderte Tagesordnung sich in leidenschaftlichen Diskussionen und deren Übersetzung zur Erbauung aller entwickelt und zu einer Reihe von meist einstimmigen Beschlüssen führt. Ein spätes Mittagessen in einer Art Kantine unterbricht unseren Arbeitstag, der sich mit der Vorstellung der Auswahlstücke der Komitees fortsetzt.

Als wir den Versammlungsraum verlassen, um auf der Plaza de Chueca ein oder mehrere Gläser zu trinken, ist es bereits Nacht. An der Theke feiern wir gemeinsam den Abschluss der Madrider GA. Nach Meinung aller war sie ein demokratischer Erfolg für Eurodram und für die Teilnehmer ein wohltuend geselliges Ereignis.

Sonntagmorgen. Auf dem Paseo de Recoletos findet ein Langlauf statt, der logischerweise den Autoverkehr unterbricht. Auf dem von Fahrbahn und Gegenfahrbahn gesäumten Mittelstreifen treiben Angestellte der Stadtreinigung mit dem Laubgebläse Laub vor sich her.

Foto © Eurodram

Gleich daneben sind die Terrassen der Bistros vor der Öffnung noch menschenleer. Einige wenige Zuschauer warten auf die Läufer. Morgenbild von Madrid in Herbstfarben und ohne Autolärm.

Wenn man Gewohnheiten verfestigen will, vergisst man sie am besten manchmal. Das Sonntagsfrühstück findet daher nicht in unserer üblichen Bäckerei statt, sondern im Büro der Ediciones Antigona, wohin Conchita alle Teilnehmer*innen eingeladen hat. Ein kräftiger Espresso, Gebäck und Süßigkeiten inmitten der beeindruckenden Anzahl an Publikationen. Das Motto des Hauses kann man auf Tragetaschen lesen: El teatro tiene que se leer. Und wirklich, hier gibt es einiges zu lesen, zumindest für die der spanischen Sprache Mächtigen.

Foto © Eurodram

Unter den Gästen von Conchita ist auch Cristina. Als französische Schauspielerin ist sie nach Madrid gezogen, wo sie von ihren Übersetzungen und einem Lehrauftrag an der Universität lebt. David hat sie gebeten, zwei Stunden lang einen Übersetzungsworkshop zu leiten. Sie schlägt vor, den Workshop als Diskussion über Methoden des Übersetzens zu gestalten. Diesmal gibt es keine Übersetzung ins Englische, sondern einen sehr freien Austausch auf Französisch oder manchmal auf Spanisch für Conchita.

Viviane und ich verzichten nach diesem Treffen auf die Teilnahme an einer letzten englischsprachigen Zoom-Konferenz und nutzten die Gelegenheit, uns ein wenig in der Stadt bis hin zum Real Jardín Botánico umzusehen. Verirren kann man sich nicht: Auf breiten Alleen geht es geradeaus. Zuerst die Plaza de Cibeles mit seinem von Löwen gezogenen Wagen der Göttin Kybele und dem beeindruckenden Palacio de Comunicaciones. Dann gehen wir durch die baumbestandene Allee des Paseo del Prado zur Plaza de Castilla mit dem Neptunbrunnen, wo der Gott des Meeres dem Hotel Ritz den Rücken zukehrt. Vor dem Prado schnattern grüne Wellensittiche in den Bäumen. Einige Künstler fertigen mit Aquarell oder Bleistift Reproduktionen berühmter im Museum ausgestellter Werke an. Die Statue von Velasquez schaut ihnen mit Wohlwollen und schweigend zu.

Foto © Eurodram

Vor dem Eingang des Botanischen Gartens, den wir von außen durch die Gitter bewundern, bildet sich eine Schlange und wir machen uns auf den Weg zum Parque del Retiro. Madrider Sonntagsstimmung. Einheimische Familien mischen sich mit Touristen in den Alleen, auf den Terrassen der Chalets oder in den Booten des Estanque Grande , eines künstlichen Sees, an dem ein Denkmal für Alfonso XII steht, eine Reiterstatue über einem Säulengang. Hier und da geben Straßenmusiker Konzerte, und vor dem Palacio de Cristal erklingen Jazz-Standards als Antwort auf den Walzer von Schostakowitsch. Seltsamerweise passt das gut zusammen und es entstehen keine Missklänge.

In einem Garten am Rande, dessen Namen ich mir nicht notiert habe, stolzieren Pfauenhennen und -hähne herum und lassen sich mit ihrem Nachwuchs fotografieren, während ein zaghafter Sonnenstrahl durch die Wolken bricht.

Foto © Eurodram

Wir weilen immer noch im Retiro, als Wolfgang uns anruft und fragt, ob wir uns der Gruppe in einem Restaurant an der Puerta del Sol anschließen möchten, wo er uns abholen würde. Es klappt auf die Minute, und das Wiedersehen vor der Metrostation auf einem sehr belebten Platz, auf dem wir uns ohne Smartphones leicht hätten verpassen können, ist ein Leichtes.

Foto © Eurodram

Ein etwas kleiner, runder Tisch auf der Laufstrecke der Bedienung, Hocker, getrocknete Schinken über dem Tresen, die Taverna La Tia Cebolla setzt auf touristisch rustikal in diesem Madrider Viertel, in dem die Restaurants florieren und die Terrassen nur an der Farbe der Stühle zu unterscheiden sind.

Die Speisekarte ist international und mit mehr oder weniger ansprechenden Fotos illustriert, die Mengen sind üppig und die Gerichte wenn auch nicht subtil, so doch gut sättigend. Aber das Vergnügen liegt im Zusammensein beim letzten gemeinsamen Madrider Essen, zumindest was Laetitia, David und seinen Freund Christophe betrifft.

Ein kleiner Spaziergang nach dem Essen muss sein, und Johanna, Nicole, Wolfgang und wir lassen uns ohne Kompass durch die malerischen Gassen der Madrider Altstadt bis zur Plaza Major treiben, wo schon die Weihnachtsmarktbuden Einzug gehalten haben und so den Gesamteindruck des Platzes und den Anblick der wunderschön bemalten Fassaden beeinträchtigen.

Foto © Eurodram

Kurze Erholung im Hotel. Wir treffen uns zum Abendessen im trotz seiner Enge fast privat wirkenden Hinterzimmer eines etwas anspruchsvolleren Restaurants, in dem die Preise umgekehrt proportional zur Tellergröße sind. Die Speisekarte ist zwar auf Französisch, aber einige von uns stellen Lücken im eigenen Vokabular fest und fragen sich, was wohl genau eine „Tigermilch“ ist, die in unserer Fantasie eindringliche Bilder hervorruft. Wenn es keine vernünftigen Portionen gibt, sättigt uns eben albernes Gelächter, und zwar ganz ohne Gefahr für einen ausgeglichenen Finanzhaushalt. Mirza und Hicran haben, enttäuscht vom Kleinwuchs ihres Steak Tartare, den Tisch schon verlassen und versuchen ihr Glück anderswo.

Heute Abend wollen Dominique und Wolfgang nicht lange bleiben: Sie müssen früh aufstehen, um Zug und Flugzeug zu erreichen. Nicole muss nur die Straße überqueren und ist schon bei ihrer Vermieterin. Trotz unserer schweren Beine und der Müdigkeit dreier Tage haben wir uns noch einen letzten kleinen Nachtspaziergang vorgenommen, und in Begleitung von Johanna gehen wir noch einmal zum Real Jardín Botánico, wo raffinierte Illuminationen in flammenden Farben eine bizarre Landschaft in die Vegetation schneiden.

Foto © Eurodram

Im Terminal 1 des Flughafens Bajaras blicken große Glasfenster auf das Rollfeld und eine Hochebenenlandschaft. In Madrid regnet es jetzt und wir warten auf unser Flugzeug.

Mihaela Michailov, Radu Apostol, Toată Liniștea din Lume [ALLE RUHE DIESER WELT]: Ciprian Marinescu/Frank Weigand

Dank der Förderung durch den Deutschen Übersetzerfonds (DÜF) über das Programm Neustart Kultur konnten wir den Übersetzer*innen der Auswahl 2021 des deutschsprachigen Komitees Eurodram Christine Bais, Ciprian Mariniscu, Andreas Volk und Frank Weigand Übersetzerstipendien für weitere Übersetzungen von Stücken aus der Ursprungssprache der Auswahlstücke vermitteln.Diese Übersetzungen sind in Arbeit und das erste fertige Ergebnis liegt vor:

Mihaela Michailov, Radu Apostol, Toată Liniștea din Lume [ALLE RUHE DIESER WELT], Übersetzung aus dem Rumänischen von Ciprian Marinescu und Frank Weigand.

Fotos: Autorin Mihaela Michailov © https://www.fabulamundi.eu/wp-content/uploads/2015/06/mihaela-michailov-resize.jpg; Autor Radu Apostol © https://www.zilesinopti.ro/articole/30148/radu-apostol-teatrul-cred-ca-intotdeauna-a-fost-si-va-fi-social; Übersetzer Ciprian Marinescu © Sera Çakal; Übersetzer Frank Weigand © privat
Über den nachfolgenden Link können Sie einen Textauszug öffnen oder herunterladen. Bei Interesse am ganzen Text wenden Sie sich bitte an Ciprian Marinescu ciprian.marinescu@gmail.com oder Frank Weigand frankweigand@gmail.com. Weitere Informationen bei den Übersetzern.
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Aufführung und Lesungen der Auswahl 2020 vom 19. bis 21.11.2021 am Theaterhaus G7 in Mannheim

Foto © Galina Franzen. 

Ja, wir waren da. Der Wasserturm (Wahrzeichen der Stadt Mannheim), das Theaterhaus G7 und eines der vorgestellten Stücke auf einem Bild.

Vom 12. bis 14.11.2021 fand am Theaterhaus G7 in Mannheim in Zusammenarbeit mit MEHR ALS CEVIRMEK: SPRACHEN VERKEHREN (Projekt Zeitraumexit) die Vorstellung der Stücke der Auswahl 2020 des deutschschprachigen Komitees EURODRAM statt.

Das im Folgenden abgebildete Programmheft können Sie als PDF herunterladen oder durch Klick vergrößern.

Die Stücke:

Schwarze Schwäne von Christina Kettering (Drei Masken Verlag)
UND von Sean Keller
Höllenkinder von Gabriele Kögl

Kurze Inhaltszusammenfassungen der Stücke der Auswahl finden Sie im Programmheft oben.

Zusätzliche Empfehlungen:

Der letzte Mensch von Philipp Weiss (Suhrkamp Verlag), Goldzombies von Marisa Wendt (Drei Masken Verlag)

Theaterleiterin und Autor*innen

Inka Neubert, Leiterin Theaterhaus G7 / Sean Keller, Autor "UND" / Christina Ketterin, Autorin "Schwarze Schwäne", wegen Krankheit leider nicht dabei (Foto: Eurodram Archiv) / Gabriele Kögl, Autorin "Höllenkinder" Fotos © Elisa Berdica

Aufführung „UND“ und Diskussion (12.11.2021)

Sina Peris und Maximilian Wex bei der Uraufführung. Fotos © Theaterhaus G7

Carsten Brandau zu Vorstellung und Diskussion:

Die Präsentation des Theatertextes „Und“ von Sean Keller in Mannheim ist anders. Sie ist besonders, im wahrsten Sinne des Wortes ungewöhnlich, außergewöhnlich. Denn gewöhnlicherweise präsentiert das deutsche EURODRAM-Komitee seine von ihm ausgewählten Texte in Lesungen. Nicht so Kellers „Und“. Denn „Und“ hatte im Oktober 2020 seine Uraufführung am Mannheimer Theaterhaus G7 in der Regie von Inka Neubert – und so sieht das Publikum bei der diesjährigen Präsentation nicht nur eine Lesung, sondern eine komplette Inszenierung. Mit zwei Personen, einer Schauspielerin und einem Schauspieler (Sina Peris und Maximilian Wex), hat Neubert „Und“ eindrücklich in Szene gesetzt – einen Text, der die herkömmliche Form des Dramas weit hinter sich lässt und im besten Sinne als eine performative Textfläche, als eine rhythmische Sprachmaschine, als eine körperliche Wortwalze, die sich unerbittlich über die Rampe rollt, beschrieben werden kann.

Sina Peris, Maximilian Wex, Inka Neubert, Sean Keller, Carsten Brandau; Foto © Elisa Berdica

Anschließend an die Vorstellung erzählt Keller im Nachgespräch, dass er beim Schreiben dieses Textes – wie bei vielen seiner Texte – eigentlich eher wabernde Nebel vor Augen gehabt habe, vielleicht einen 17köpfigen Chor. Und somit hat das Nachgespräch ganz schnell sein Thema: Was bedeutet die von Neubert gewählte Umsetzung von „Und“ mit zwei Personen für den Text? Was transportiert vor allem die Binarität in der Besetzung, inwieweit überlagert sie die Intention des Textes, ergänzt oder verfälscht sie ihn? Ganz schnell landen wir bei grundsätzlichen Fragen des Theaters: Wie kann und soll Text auf der Bühne umgesetzt werden? Wie stark dürfen und müssen Regie und Spiel auf den Text zugreifen? Wie weit kann, soll, darf oder muss dieser Zugriff gehen? Dass es auf all diese Fragen aber keine eindeutigen, allgemeingültigen Antworten geben kann, garantiert, dass Theater Theater ist und dass es das auch bleibt und eben nicht der Gewöhnlichkeit anheim fällt – auch nicht an diesem Abend. Ein außergewöhnlicher Text fordert eine außergewöhnliche Umsetzung.

Carsten Brandau und Sean Keller haben schon lange vor der Lesung ein Gespräch über den Autor und "UND" geführt:„und du verzweifelst fast bei dem gedanken an die unendlichkeit"

Die Homepage enthält auch einen Kurztext zu "UND"

Ein außergewöhnlicher Abend und noch ein besonderer Anlass

Galina Franzen (Eurodram) kann den Geburtstag der Tochter im fernen Moskau nicht gemeinsam mit ihr feiern.So widmen wir ihr den Abend und stoßen an.

Lesung „Schwarze Schwäne“ und Diskussion (13.11.2021)

Aurélie Youlia, Regie und Schauspiel / Johanna Withalm, Schauspiel  Fotos © Elisa Berdica

Galina Franzen zu Lesung und Diskussion:

Das Stück „Schwarze Schwäne” von Christina Kettering wurde im Rahmen des „Mehrsprachigkeit- Projekts” von Zeitraumexit  im Theater G7 in Mannheim  von Aurélie Youlia und Johanna Withalm unter der Leitung von Aurélie Youlia gelesen. Beeindrucken war, dass beinahe  der gesamte Text des Stückes vorgetragen werden konnte. Es geht  um zwei Schwestern, die den Pflegeroboter “Rosie” erwerben, um ihre pflegebedürftige Mutter nicht ins Heim bringen zu müssen. 

Johanna Withalm / Aurélie Youlia  Fotos © Elisa Berdica

Trotz anfänglicher Schwierigkeiten scheinen die Probleme gelöst, die Mutter ist zufrieden und die ständige Überforderung der jüngeren Schwester hat ein Ende. Doch allmählich nimmt Rosie mit ihren perfektionierten Abläufen immer mehr Raum im Familienleben ein. Sie erweckt Neid und schließlich Wut.

Galina Franzen / Johanna Withjalm / ["Rosie"] / Aurélie Youlia / Wolfgang Barth  Fotos © Elisa Berdica

Aus gesundheitlichen Gründen konnte die Autorin Christina Kettering leider nicht dabei sein. Wolfgang Barth moderierte das Gespräch nach der Lesung und konnte auf manche Fragen aus dem Publikum mit Auszügen aus einem schriftlichen Interview mit Christina Kettering antworten. Etwa 20 Zuschauer waren anwesend. Galina Franzen, die das Stück ins Russische übersetzt hatte, las als kleines Beispiel für Mehrsprachigkeit  einen Abschnitt aus ihrer Übersetzung. Weitere Themen des Stückes, dessen Ende einige Fragen aufwirft, sind u.a. Künstliche Intelligenz, Tochterpflicht und Überforderung. Lesung und Gespräch waren dynamisch und gaben den Anwesenden einiges zum Nachdenken.

Die Homepage enthält mehrere Texte zu Christina Kettering: Kurztext Christina Kettering "Schwarze Schwäne"; Porträt Christina Kettering: "Schwarze Schwäne" und Interview; Portrait Christina Kettering: "Antarktis"

Lesung „Höllenkinder“ und Diskussion (13.11.2021)

Vivien Zisack / Vivien Zisack, Ann-Kathrin Kuppel / Björn Luithardt, Ann-Kathrin Kuppel, Vincenzo Tatti / Ann-Kathrin Kuppel, Vivien Zisack, Björn Luithard, Vincenzo Tatti   Fotos © Elisa Berdica

Heinz Schwarzinger zu Lesung und Diskussion:

Das Stück: ursprünglich eine Ich-Monolog-Erzählung (2016), dann ein Monolog-Hörspiel (Prix Europa 2019) und schließlich eine Dramatisierung für ein Theater mit großer Besetzung und wechselnden Bühnenbildern, alles was ein Theater eben so hergeben kann, wie die Autorin es sich wünscht. An die zwanzig Darsteller:nnen wären da nötig für eine szenische Lesung (Einrichtung Lukas Krüger vom Nationaltheater Mannheim); im Theaterhaus G7 in Mannheim unleistbar. Also sehen wir zwei Schauspielerinnen (Ann-Kathrin Kuppel, Vivien Zisack) und zwei Schauspieler (Björn Luithardt, Vincenzo Tatti) sich hinter Notenständer stellen und gemeinsam chorisch den Text der Mutterfigur sprechen. Nur ihre beiden Kinder, Hans und Leni, treten aus der Gruppe hervor, wenn sie ihren eigenen Part zu sprechen haben.

Die Lesung folgt dem Stückablauf genau, einige Striche (meist wenn viele Figuren auftreten) schaden ihm nicht. Versatzstücke gibt es keine, Musikeinsätze auch nicht, nur einige sparsame Lichteffekte. Die Zuschauer:nnen hören gespannt zu und meinen danach, dass sie das Stück gerne ganz lesen würden… Guter Applaus und eine angeregte Debatte folgen der Lesung.

Schauspieler*innen Ann-Kathrin Kuppel, Vivien Zisack, Vinzento Tatti, Björn Luithardt; Regisseur Lukas Krüger; Autorin Gabriele Kögl; Moderator Heinz Schwarzinger  Fotos © Elisa Berdica
Die Homepage enthält zwei Texte zu Gabriele Kögl: Gabriele Kögl (Höllenkinder) im Interview; Kurztext Gabriele Kögl, "Höllenkinder"

Abschlussdiskussion und Übersetzungsbrunch (14.11.2021)

Die Lesungen fanden in Kooperation mit der Initiative "Zeitraumexit" und dem Projekt MEHR ALS CEVIRMEK: SPRACHEN VERKEHREN statt. Zum Abschluss diskutierten die Teilnehmer mit den Übersetzer*innen und Mitliedern von Eurodram beim Brunch. Eine beinahe unmittelbare Konsequenz dieser Diskussion: Auf der EURODRAM-Hauptversammlung (GA) in Madrid vom 19. bis zum 21.11.2021 hat das Netzwerk beschlossen, die Bildung von Gebärdensprachenkomitees im Bereich der Sprachen zu prüfen, die Eurodram abdeckt.
Der Leiter des Projektes, Jan-Philipp Possmann, mailto:jan.possmann@zeitraumexit.de, schreibt zu dieser Abschlussdiskussion:

"Ich möchte mich nochmal bei Euch allen bedanken, dass ihr an unserem Kooperationsprojekt teilgenommen, das Programm mit euren Arbeiten und Sichtweisen bereichert und am Sonntag gemeinsam mit uns gegessen und diskutiert habt. Damit ging unser sechstägiges, sehr vielseitiges Programm zum Thema Mehrsprachigkeit und sprachliche Diskriminierung in der Bundesrepublik zu Ende." 
Teilnehmer*innen: Ülkü Süngün - Künstlerin, Kuratorin des Mehr als Cevirmek-Programms, Installation "Das Benennen", "Institut für künstlerische Migrationsforschung" (Stuttgart) / Johanna Yassira Kluhs - Dramaturgin und Kuratorin Mehr als Cevirmek-Programm (Duisburg) / Sevda Can Arslan - Medienwissenschaftlerin, Kuratorin Mehr als Cevirmek-Programm (Mannheim) / Gabriele Kögel, Autorin / Sean Keller, Autor / Charlotte Bomy, Übersetzerin, Koordinatorin des deutschsprachigen Komitees von Eurodram / Galina Franzen,  Übersetzerin, Koordinatorin des deutschsprachigen Komitees von Eurodram / Heinz Schwarzinger, Übersetzer, Mitglied im deutschsprachigen Komitee von Eurodram / Wolfgang Barth, Übersetzer, Koordinator des deutschsprachigen Komitees von Eurodram / Inka Neubert, Regisseurin und künstlerische Leiterin Theaterhaus G7.
  
Unter anderem wurde über folgende Projekte und Institutionen gesprochen:

https://afropeennes.drama-panorama.com
https://eurodram.wordpress.com
https://nesrintanc.academia.edu/research
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Carsten Brandau: Noch ein Gedanke zur Diskussion mit Elise Wilk in Weimar

Foto Elise Wilk © Alina Andrei
Bei der Diskussion nach der Lesung von Elise Wilks Stück "Verschwinden" im Rahmen der Vorstellung der Auswahlstücke 2021 des Deutschsprachigen Komitees EURODRAM am 29.08.2021 am Deutschen Nationaltheater Weimar (DNT) im Rahmen des Kustfestes Weimar wurde auch über die Problematik der notwendigen Kürzungen von Stücken bei Lesungen gesprochen. Hierzu ein nachdenklicher Text von Carsten Brandau.

Der Theaterbetrieb ist ein Durchlauferhitzer – insbesondere für Texte und diejenigen, die sie schreiben. Und wenn Autor:innen von diesem Durchlauferhitzer nicht verheizt werden wollen, wenn sie nicht im Rennen um den nächsten Uraufführungs-Hype, um Topp oder Flopp, untergehen, sondern kontinuierlich arbeiten, weiter-schreiben und somit nachhaltig Theater machen wollen, dann müssen sie sich positionieren. Dann müssen sie sich und ihre Texte, ihre Arbeit, positionieren. Sie müssen sie verteidigen gegen Übergriffe, sie müssen für sie kämpfen, Haltung kenntlich und deutlich machen. Nur allzu oft entscheidet eine einzige Präsentation über Topp oder Flopp, ob die zumeist langwierige, zehrende und intensive Schreib-Arbeit Früchte tragen wird. Und insofern ist es nur völlig verständlich, wenn Elise Wilk an diesem Mittag auf eine Problematik hinweist, die sie bei der Präsentation ihres Stücks erlebt hat. Das hat nichts mit verletzter Eitelkeit zu tun – im Gegenteil: Wilk positioniert nur sich und ihren Text, ihre Arbeit. Und das verdeutlicht nur ihre professionelle Haltung als Theaterautorin. Eine Haltung, die im Theaterbetrieb absolut notwendig ist – weil sie Theater überhaupt erst möglich macht. Denn Theater entsteht aus der Auseinandersetzung miteinander, aus der Auseinandersetzung zwischen Text-Intention und Regie-Zugriff, zwischen Bilder-Sprache und Spiel-Anlass, Inhalt und Form oder Parkett und Bühne. Wenn sich Haltungen füreinander einsetzen, dann entsteht Theater.

Carsten Brandau

Carsten Brandau ist Autor und Mitglied im deutschsprachigen Komitee Eurodram.

Geförderte zusätzliche Übersetzungen der Übersetzer*innen der Auswahl 2021

Foto © Andrzej Walkusz

Andreas Volk, Übersetzung aus dem Polnischen:
Ishbel Szatrawska ,Totentanz. Czarna noc, czarna śmierć [Totentanz. Schwarze Nacht, schwarzer Tod]

Alle Übersetzungen wurden vor dem 01.06.2022 fertiggestellt. Das deutschsprachige Komitee EURODRAM bedankt sich herzlich bei den Übersetzer:innen!

Förderung des Projektes „Vorstellung und Diskussion der AUSWAHL 2021 des deutschsprachigen Komitees EURODRAM und Übersetzerförderung“:
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Lesungen Auswahl 2021 Eurodram am Deutschen Nationaltheater Weimar

Fotos von links oben nach rechts unten: Maria Wojtysko, Andreas Volk, Christine Bais, Ciprian Marinescu, Elise Wilk, Nico Boon, Frank Weigand. Auszug aus dem Programmbuch zum KUNSTFEST WEIMAR 2021, Seiten 184 - 187.
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Foto © Thomas Fischer, DNT
Teilnehmer*innen über EURODRAM: Heinz Schwarzinger (Eurodram), Charlotte Bomy (Eurodram, Moderatorin für Nico Boon), Carsten Brandau (Eurodram, Moderator für Elise Wilk),  Jorge Manuel Sanchez Torres (Gast Eurodram, Fotograf), Ciprian Marinescu, (Übersetzer Rumänisch von Elise Wilk, „Verschwinden“), Elise Wilk (Autorin „Verschwinden“), Nico Boon (Autor „Tritt auf/Geht ab“), Andreas Volk (Eurodram, Übersetzer aus dem Polnischen von Maria Wojtyszko, „Fremdsprache“, Vertreter für Maria Wojtyszko bei der Moderation, Übersetzer Englisch bei der Moderation für Nico Boon), Frank Weigand, (Übersetzer Rumänisch von Elise Wilk, „Verschwinden“), Wolfgang Barth (Eurodram, Koordinator; Moderator für Maria Wojtyszko), Richard Pettifer (Gast Eurodram).Galina Franzen (Eurodram, nicht auf dem Foto).

Zum ersten Mal haben bei der Vorstellung der Stücke der Auswahl 2021 (ins Deutsche übersetzte Theatertexte) am 29.08.2021 im Rahmen des Kunstfestes Weimar das Deutsche Nationaltheater Weimar und das deutschsprachige Komitee Eurodram zusammengearbeitet.

Wir danken herzlich dem DNT für die großartigen Lesungen: Beate Seidel, Eva Bormann, Lisa Evers [Leitung]; Martin Esser, Rosa Falkenhagen, Katharina Hackhausen, Nahuel Häflinger, Fabian Hagen, Max Landgrebe, Lutz Salzmann, Dascha Trautwein, Anne Windmüller [Schauspieler*innen]; Dirk Sobe [Pianist];  Thomas Fischer und Kolleg*innen [Technik] und allen weiteren Beteiligten.

Wir danken herzlich dem Kunstfest Weimar 2021 für die hervorragende Zusammenarbeit, besonders Rolf C. Hemke, Linda Langer, Marlies Kink und allen Mitarbeiter*innen.

Foto © Thomas Müller, Kunstfest; Beate Seidel, Chefdramaturgin DNT, und Wolfgang Barth, Koordinator Deutschsprachiges Komitee Eurodram, bei der Vorstellung des Projektes
Lesung, Leitung Eva Bormann: Verschwinden (Dispariţii) von Elise Wilk, Übersetzung aus dem Rumänischen durch Ciprian Marinescu und Frank Weigand, Berlin 2019 [henschel Schauspiel, Berlin, 2020]
Foto © Thomas Müller, Kunstfest; Lutz Salzmann, Dascha Trautwein, Anne Windmüller, Katharina Hackhausen, Fabian Hagen

Die Diskussion warf die Frage auf, ob eine notwendig im Umfang begrenzte Lesung grundsätzlich einem komplexen und vielschichtigen Text gerecht werden kann. Elise Wilks Stück umfasst einen Zeitraum von drei Generationen. Es stellt eine große Leistung von Regie und Schaupieler*innen dar, die Wesensmerkmale des Verschwindens so deutlich herausgearbeitet zu haben.

(Siehe hierzu auch den zusätzlichen Text von Carsten Brandau.)
Foto © Thomas Müller, Kunstfest; Elise Wilk, Carsten Brandau

Die Übersetzer haben kontinuierlich zusammengearbeitet, sich aufeinander bezogen und so den Text ständig bis zum Ergebnis verändert. Der Schwerpunkt lag bei Ciprian Marinescu auf dem Rumänischen, bei Frank Weigand auf dem Deutschen.

Foto © Thomas Müller, Kunstfest; Frank Weigand, Ciprian Marinescu, Elise Wilk, Carsten Brandau

Elise Wilk berichtete über die biografisch-künstlerischen Einflüsse Rumäniens und Deutschlands auf ihre Arbeit.

Foto © Thomas Müller, Kunstfest; Elise Wilk, Carsten Brandau

Wir freuen uns sehr, dass eine der bedeutendsten zeitgenössischen rumänischen Autor*innen jetzt auch ihre Erfahrung in die Lese- und Bewertungsarbeit des deutschsprachigen Komitees einbringen wird.

Foto © Thomas Müller, Kunstfest; Elise Wilk
Lesung, Leitung Lisa Evers:Tritt auf/Geht ab (Komt op/Gaat af) von Nico Boon, Übersetzung aus dem Niederländischen durch Christine Bais, Belgien 2020
Foto © Thomas Müller, Kunstfest; Martin Esser, Anne Windmüller

Das Stück stellt in (quasi fotographischen) Ausschnitten sowohl ein historisches, als auch ein persönliches Dokument dar. Wer sind die dargestellten Personen? Was bedeutet das Erlebte?

Foto © Jorge Manuel Sanchez Torres; Andreas Volk, Nico Boon, Charlotte Bomy

In der Diskussion berichtete Nico Boon darüber, dass „Tritt auf / Geht ab“ eine wesentliche Etappe und Wende in seiner Arbeit als Theaterautor darstellt. Er wird sich auch in Zukunft nicht dem (selbst auferlegten) Zwang herkömmlicher Formen und Erwartungen beugen, sondern sich an der assoziativ-entwickelnden Eigendynamik des Textes orientieren.

Foto © Jorge Manuel Sanchez Torres; Andreas Volk, Nico Boon, Charlotte Bomy

Leider konnte die Übersetzerin Christine Bais in Weimar nicht anwesend sein. Wir haben ein Interview mit ihr geführt.

Lesung, Leitung Beate Seidel: Fremdsprache (Język obcy) von Maria Wojtyszko, Übersetzung aus dem Polnischen durch Andreas Volk, Deutschland 2020 [Agencja Dramatu i Teatru ADiT, geplant Januar 2021]
Foto © Thomas Müller, Kunstfest; Nahuel Häfliger, Rosa Falkenhagen, Katharina Hackhausen, Max Landgrebe; Pianist Dirk Sobe

Eingebettet in das musikalische Konzept des Pianisten Dirk Sobe, mit Solosongs von Rosa Falkenhagen und mit dem von der gesamten Gruppe gesungenen Abschlusslied wurden in der Lesung eindrucksvoll die wesentlichen Züge des Stückes Fremdsprache herausgestellt.

Der Übersetzer Andreas Volk vertrat Maria Wojtysko bei der Diskussion und konnte sich dabei auf ein schriftliches Interview und seine Erfahrungen bei der Übersetzung des Textes stützen. Das Verhältnis von Fiktion und Wirklichkeit, von ernsthafter Aussage und Ironie sind Themen des Stückes. Die direkt an die Schauspieler*innen gerichtete Frage hierzu wurde mit Nachdruck von Max Landgrebe beantwortet. Das vom „glücklichen Kätzchen“ und allen gesungene Schlusslied ist eine ernsthafte Botschaft: „Das Wichtigste auf der Welt / Ist, dass wir uns begegnet sind / Und  ich zuhör, was der andre erzählt“.

Text über Maria Wojtyszko, Fremdsprache
Foto © Jorge Manuel Sanchez Torres; Andreas Volk, Wolfgang Barth

Der Abschluss der Lesungen und der Diskussionen ist auch ein Anfang. Was zeichnet sich am Horizont ab? Wohin wird die Reise gehen? Welche deutschsprachigen Theater werden die Stücke auf die Bühne bringen? Vielleicht sogar das Deutsche Nationaltheater Weimar?

Auf Anfrage und nach jeweiliger Absprache mit Verlagen und Autor*innen und deren Erlaubis schicken wir die Stücke zur Information gerne Theatern, Verlagen und anderen Interessierten der Theaterwelt zu.

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Förderung des Projektes „Vorstellung und Diskussion der AUSWAHL 2021 des deutschsprachigen Komitees EURODRAM und Übersetzerförderung“:

Notwendige Unterlagen Aufruf 2022

Zur Einsendung eines Stückes an Wolfgang Barth vieuxloup@t-online.de notwendige Unterlagen:

  • Das Stück (PDF- oder Word-Format)

Zusätzlich auf gesondertem Blatt (z. B. dieses einfach kopieren und eintragen, ausdrucken,  unterschreiben, als PDF einscannen und an o.g. Adresse schicken; Sie können sich das Formular auch herunterladen, siehe Ende dieser Seite):

  • Titel des Stückes: xxx
  • Autor*in: xxx
  • Ort und Zeitpunkt der Abfassung: xxx
  • Kurze Inhaltszusammenfassung (ca.5 bis ca. 10 Zeilen)
  • Kurze Vorstellung der/des Autor*in und der bisherigen Arbeit

Gegebenenfalls:

Verlag: xxx

Ort und Zeitpunkt der Veröffentlichung: xxx

Lesungen, Uraufführung, Aufführungen: xxx

Förderungen: xxx

Preise und Auszeichnungen.: xxx

Schon übersetzt in folgende Sprache(n) [Datum; Übersetzer*in]: xxx

  • Unterschriebene Erklärung (Autor*in / Verlag / Rechteinhaber*in):

Hiermit erlaube ich als Rechteinhaber*in, dass das Stück xxx zur Ermittlung der Auswahl Eurodram 2020 innerhalb des deutschsprachigen Komitees weitergegeben werden darf. Es darf für Lesungen im Rahmen von Eurodram-Veranstaltungen kostenlos verwendet werden.

Ort, Datum                                                                  Unterschrift / Funktion

Über den folgenden Button können Sie sich dieses Formular auch herunterladen:
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Rozmowa z Marią Wojtyszko o swojej sztuce „Język obcy“

© Foto: Jakub Krofta
W rozmowie z Wolfgang Barth" (tłumaczenie niemiecko-polskie: Andreas Volk)

Droga Mario,

Motto do JĘZYKA OBCEGO jest cytat J. M. Pliszewskiej: „Zresztą rzeczywistość nigdy nikogo nie interesowało …“ W reakcji na recenzenta FANTAZMATÓW POLITYCZNOŚCI BOHATERKA JA mówi:

„Nie mam pojęcia, kim jest Pliszewska.“ Czy może Pani nam pomóc?

Bardzo cieszę się, że Pan o to zapytał. Większośc ludzi nie zwraca uwagi na takie moje zabawy z tekstem. Pliszewska nie istnieje. Nigdy nie było nikogo takiego. Cała sztuka jest o zagubieniu w postprawdze, dlatego starałam się jak najdokładniej wymieszać rzeczywistość z fikcją. Chciałam pokazać jak to, że nie możemy odróżnić faktów od narracji jest uwodzące i równocześnie zgubne. Żyjemy otoczeni przez fake newsy, w ciągłym lęku, że nawet jeżeli istnieje jakać prawda, to nie mamy żadnego sposobu, żeby do niej dotrzeć. To jak bycie w toskycznym związku, w którym nie obowiązują żadne stałe reguły. Coś, co kilka lat temu wydawało się teorią spiskową dzisiaj jest faktem, wczorajsze fakty okazują się bzdurą itd. Myślę, że nigdy wcześniej w historii ludzkość nie doświadczała takiej destabilizacji emocjonalnej. Nasza rzeczywistość jest jak gabinet krzywych luster, cytowanie nieistniejących ludzi jest moim sposobem na portretowanie tej absurdalności.

Warsztaty scenariuszowe „Turning Point“ grają ważną rolę, żeby dać sztuce strukturę i umożliwiać wiele wypowiedźi postaci. Czy Pani sama uczestniczyła kiedyś w warsztatach Philipa LaZebnika albo czymś podobnym?

Philip LaZebnik jest prawdziwą postacią. Był opiekunem mojego scenariusza podczas jednego z wielu warsztatów, w których brałam udział. Umieściłam go w sztuce dlatego, że symbolizuje świat, w którym istnieją jasne zasady postępowania. Jest figurą dobrego ojca. Spotkałam Philipa w bardzo trudnym dla mnie momencie życia i niezwykle uspokajało mnie wtedy rozmawianie o strukturze scenariusza. Lubię przepisy kulinarne, ulotki leków, instrukcje obsługi i metody pisania. Pozwalają mi trwać w mylnym przekonaniu, że świat nie jest chaotyczny. A Philip LaZebnik jest po prostu jednym z moich ulubionych ludzi na świecie. Uważam, że zasługuje na to, żeby pisano nim sztuki, bo jest miły, dowcipny i empatyczny i naprawdę pomógł mi z tamtym scenariuszem.

Czy Tereszczyńska i jej różowe cinquecento istnieją rzeczywiście?

Pani Tereszczyńska istnieje naprawdę, ale jest kimś innym niż w sztuce. Podpadła mi, bo źle potraktowała mojego syna, a że w normalnym życiu nie za bardzo wychodzi mi bronienie się przed niesprawiedliwością to postanowiłam odreagować umieszczając ją w sztuce. Czasem tak jest, że podczas pisania potrzebuje się jakiekolwiek imienia albo nazwiska dla jakiejś podłej postaci i myślę, że każdy pisarz/pisarka ma swoją kolekcję nazwisk, ktorych używa w takich momentach.

W spisie osób sztuki mamy 19 ról, jest 36 scen, scena teatralna trzeba wyobrazić sobie jako przestrzennie i czasowo otwarte miejsce. Dla reżyserki/reżysera to na pewno nie lada wyzwanie. Czy istnieją już konkretne doświadczenia z praktyki teatralnej? Czy Pani ma własne wyobrażenia inscenizacyjne albo propozycje na ten temat?

W każdym moim tekście jest zawarta mocna wizja przestrzenna, bo zwykle piszę na konkretną scenę. Staram się znać obsadę zanim jeszcze dotknę klawiatury i potem za swój obowiązek uważam uczestnicznie w próbach. Moje pisanie jest organicznie związane z teatrem. „Język obcy“ napisałam dla praskiego teatru X10, na scenę, która przedtem była salą kinową w domu kultury. To z zasady było miejsce alternatywne, offowe, gdzie brakuje garderób i innych wygód dostępnych w dużych teatrach. Od razu podjęliśmy więc decyzję, że aktorzy będą przebierać się na scenie. Reżyserował Jakub Krofta, z którym dużo razem pracujemy. Nasza wspólna droga polega na tym, że rezygnujemy ze wszystkiego, co niepotrzebne, bardzo wierzymy, że siła teatru polega na prostocie. Wystarczy, że człowiek wychodzi na pustą scenę i mówi „jestem gorylem“ i jest tym gorylem, niczego więcej nie trzeba. „Język obcy“ w Pradze zrealizowaliśmy z szóstką aktorów, którzy zagrali wszystkie role. Da się.

Jacek Wakar i Thomas Irmer wskazują w swoich wstępach do antologii Polska jest mytem [Polen ist ein Mythos] na znaczenie Kartoteka Tadeusza Różewicza dla JĘZYKA OBCEGO. Czy Pani zgodziłaby się z taką oceną?

Prawie każda polska sztuka współczesna jest porównywana do Kartoteki i często z kolegami i koleżankami po fachu robimy sobie z tego żarty. Ale na pewno jest tak, że sukces Kartoteki przetarł szlak dla wszystkich tekstów pozbawionych klasycznej struktury dramaturgicznej, sztuk zbudowanych nie na wartkiej akcji ale na introspekcji. Chociaż gdybym sama miała wskazywać zródła inspiracji to pewnie nie wymieniłabym w pierwszej kolejności Różewicza. Bardziej różne rodzaje stand-upu a nawet teatru improwizowanego.

Pani nawiązują w swojej sztuce do Henryka Ibsena, na przykład przy porównaniu człowieka do cebuli. Jakie znaczenie ma dla Pani Peer Gynt w odnosieniu do JĘZYKA OBCEGO?

Peer Gynt jest przepięknym tekstem, wlaśnie dlatego, że mnóstwo w nim niejasności i takiej pisarskiej nieodpowiedzialności, która owocuje tym, że wiele wątków się urywa, nie pasuje. Ale wewnątrz tego dramatu jest rozpaczliwe wołanie o zrozumienie, o kontakt z drugim człowiekiem. Peer jest zajęty odkrywaniem kolejnych warstw siebie jak obieraniem cebuli i dochodzi do wniosku, że pod kolejnymi łupinami nic nie ma. Ale ja myślę inaczej. W środku zawsze jest drugi człowiek, czy inni ludzie. Nie jesteśmy monadami. Istniejemy tylko w sieci powiązań, nasza tożsamość jest relacyjna. Uczestniczyłam jak dramaturg w wystawieniu Peera Gynta w teatrze Słowackiego w Krakowie. Ostatni obraz tego spektaklu był taki jak go opisałam w sztuce. Aktor grający głównego bohatera stał na ogromnej, pustej scenie wołając „jest tam kto?“ a światło powoli gasło. Wszystko, co robię w teatrze można opisać tym jednym obrazem. Stoję i wołam do ludzi po drugiej stronie rampy zanim światło zgaśnie.

Pani BOHATERKA JA mówi w pewnym momencie: „No bo co to za temat dla współczesnego teatru, że ktoś przeżywa rozstanie? Powinno być o polityce …“ Gdzie Pani umiejscowiłaby JĘZYK OBCY w aktualnym polskim pejzażu teatralnym? Jak się odbije aktualna sytuacja polityczna w Polsce na teatr?

„Język obcy“ nie został jeszcze wystawiony w Polsce, co mnie nawet nie dziwi. To trudna sztuka, nie wiadomo co w niej jest „naprawdę“ a co „na niby“. Czy ja się śmieję z zaangażowania politycznego? Czy naprawdę apeluję do uczuć Victora Orbana i Jarosława Kaczyńskiego? Poza tym do niedawna tematy takie jak złamane serce naprawdę były obciachem i nie pojawiały się poza repertuarem komercyjnym, farsowym. W teatrze głównego nurtu liczyły się tylko Wielkie Narracje: polityka, kościól, ewentualnie feminizm i reprywatyzacja. Ale od kilku lat widać powrót do tematów bardziej intymnych, są spektakle o stracie dziecka, o matce reżysera, o tym jak reżyserka zachorowała na raka. Współczesna polska polityka zaczęła jako performans przebijać wszystko, co da się zrobić w teatrze. Nie można jej nawet sparodiować, bo sama jest własną parodią. To jest na pewno wpływ, który już w tej chwili widać – twórcom odechciewa się pokazywać ten absurd na scenie, mamy go wystarczająco dużo na codzień. A w kwestiach nie artystycznych, tylko organizacyjnych – na szczęscie większość teatrów podlega samorządom, a te nie są jeszcze całkowicie przejęte przez partię rządzącą, chociaż i to się powoli zmienia.

Które ważne pytanie według Pani brakuje w tym wywiadzie? Proszę je zadać sobie, i jeżeli to jest możliwe, odpowiadać na pytanie.

Dziękuję za rozmowę.

Link do niemieckiej wersji
Porträts  Text über "Maria Wojtysko,Fremdsprache"(Wolfgang Barth)

Interview mit Maria Wojtyszko über ihr Stück Fremdsprache

© Foto: Jakub Krofta
Das Interview führte Wolfgang Barth, Übersetzung Deutsch/Polnisch Andreas Volk

Liebe Maria,

Ein Motto für FREMDSPRACHE ist ein Zitat von J. M. Pliszewska: „Die Wirklichkeit hat im Übrigen nie jemanden interessiert …“ In Reaktion auf den Rezensenten von „PHANTASMEN DES POLITISCHEN“ sagt ICH: „Keine Ahnung, wer Pliszewska ist.“ Können Sie uns weiterhelfen?

Ich bin froh, dass Sie danach fragen. Meistens bleiben meine Textspielereien unbemerkt. Pliszewska gibt es nicht und hat es auch nie gegeben. Das Stück handelt davon, wie wir uns im Postfaktischen verlieren, ich habe mich deshalb bemüht, Realität und Fiktion so gründlich wie möglich zu durchmischen. Ich wollte zeigen, dass die Situation, in der wir nicht mehr in der Lage sind, zwischen Fakten und Narrationen zu unterscheiden, verführerisch, zugleich aber auch verhängnisvoll ist. Wir sind von Fake News umgeben, in ständiger Angst, dass wir, selbst wenn es eine Wahrheit gibt, keine Mittel finden, zu ihr vorzudringen. Es ist wie in einer toxischen Beziehung, in der keine festen Regeln gelten. Etwas, was noch vor ein paar Jahren eine Verschwörungstheorie zu sein schien, ist heute eine Tatsache, während sich Fakten von gestern als unsinnig herausstellen, und so weiter. Ich glaube, die Menschheit hat in ihrer Geschichte noch nie eine derartige emotionale Destabilisierung erlebt. Unsere Wirklichkeit ist wie ein Kabinett mit verzerrenden Spiegeln; das Zitieren nicht existierender Personen ist meine Art, dieser Absurdität Ausdruck zu verleihen.

Der Drehbuch-Workshop „Turning Point“ spielt eine Rolle bei der Strukturierung Ihres Stückes und ermöglicht viele Aussagen. Haben Sie selbst einmal an einem Workshop von Philip LaZebnik teilgenommen oder Ähnliches erlebt?

Philip LaZebnik ist eine echte Person. Er war mein Drehbuchbetreuer bei einem der vielen Workshops, an denen ich teilgenommen habe. In meinem Stück symbolisiert er eine Welt, in der es klare Regeln gibt, wie man vorzugehen hat. Er ist die Figur des guten Vaters. Ich habe Philip in einer für mich sehr schwierigen Zeit kennen gelernt, und es beruhigte mich damals ungemein, über die Struktur meines Drehbuchs zu sprechen. Ich mag Kochrezepte, Beipackzettel, Bedienungsanleitungen und Schreibmethoden. Sie wiegen mich in dem irrigen Glauben, dass die Welt nicht chaotisch ist. Und Philip LaZebnik ist zudem einer meiner Lieblingsmenschen auf der Welt. Ich glaube, er verdient es, in Stücken vorzukommen, denn er ist nett, witzig und empathisch, und er hat mir damals mit dem Drehbuch wirklich geholfen.

Gibt es Tereszczyńska und den rosa Fiat Cinquecento?

Frau Tereszczyńska existiert wirklich, aber sie ist jemand anderes als im Stück. Sie hat es sich mit mir verscherzt, weil sie meinen Sohn schlecht behandelt hat, und da ich nicht besonders gut darin bin, mich im normalen Leben gegen Ungerechtigkeiten zur Wehr zu setzen, habe ich meinen Frust im Stück an ihr abgelassen. Manchmal braucht man beim Schreiben einen Vornamen oder einen Nachnamen für eine unsympathische Figur, und ich glaube, jede Schriftstellerin/jeder Schriftsteller hat einen Fundus an Namen, aus dem sie/er sich bedient.

In der Personenliste des Stückes stehen 19 Rollen, es gibt 36 Szenen, die Bühne muss als räumlich und zeitlich offener Ort aufgefasst werden. Für die Regie ist dies sicher eine Herausforderung. Gibt es hierzu schon Erfahrungen? Haben Sie selbst Vorstellungen oder Vorschläge?

Jeder meiner Texte enthält eine starke räumliche Vision, da ich in der Regel für eine bestimmte Bühne schreibe. Im Normalfall kenne ich die Besetzung, bevor ich mich an den Computer setze, und später betrachte ich es als meine Pflicht, an den Proben teilzunehmen. Mein Schreiben ist organisch mit einem konkreten Theater verbunden. FREMDSPRACHE habe ich für das Prager Theater X10 geschrieben, für eine Bühne, die früher ein Kinosaal in einem Kulturhaus gewesen ist. Im Grunde ein Ort der Off-Kultur, an dem es keine Garderoben oder andere Annehmlichkeiten gibt, die an großen Theatern eine Selbstverständlichkeit sind. Wir haben sofort die Entscheidung getroffen, dass die Schauspieler sich auf der Bühne umziehen werden. Regie führte Jakub Krofta, mit dem ich oft zusammenarbeite. Unser gemeinsamer Weg besteht darin, dass wir auf alles Unnötige verzichten, weil wir fest davon überzeugt sind, dass die Kraft des Theaters in seiner Einfachheit liegt. Es genügt, dass jemand auf eine leere Bühne hinaustritt und sagt „Ich bin ein Gorilla“, und schon ist er dieser Gorilla, mehr braucht es nicht. FREMDSPRACHE haben wir in Prag mit sechs Schauspielern aufgeführt, die sämtliche Rollen gespielt haben. Das geht.

Jacek Wakar und Thomas Irmer verweisen in der Einführung zu Polen ist ein Mythos [Polska jest mitem] auf die Bedeutung des Stückes Die Kartothek von Tadeusz Różewicz für FREMDSPRACHE. Würden Sie dem zustimmen?

Fast jedes polnische zeitgenössische Stück wird mit Różewiczs Kartothek verglichen. Oft machen wir uns unter Kollegen und Kolleginnen darüber lustig. Aber es stimmt natürlich, dass der Erfolg der Kartothek Texten, die keine klassische Dramenstruktur aufweisen, die nicht auf einer spannenden Handlung, sondern auf Introspektion gründen, den Weg geebnet hat. Obwohl ich, wenn ich selbst meine Inspirationsquellen benennen sollte, weniger auf Różewicz und vielmehr auf verschiedene Arten von Stand-up-Comedy oder auch auf das Improvisationstheater verweisen würde.

Sie greifen in Ihrem Stück auf Henrik Ibsen zurück, zum Beispiel beim Vergleich des Menschen mit einer Zwiebel. Welche Bedeutung hat für Sie Peer Gynt in Bezug auf FREMDSPRACHE?

Peer Gynt ist ein wunderschöner Text, eben gerade, weil er vieles im Unklaren lässt und von einer schriftstellerischen Verantwortungslosigkeit zeugt, die zur Folge hat, dass viele Erzählstränge einfach abbrechen, nicht recht zusammenpassen. Doch innerhalb des Dramas gibt es dieses verzweifelte Rufen, diesen Wunsch, verstanden werden zu wollen, diese Suche nach einem Kontakt zu den Mitmenschen. Peer ist damit beschäftigt, weitere Schichten seiner selbst zu entdecken, wie beim Schälen einer Zwiebel, und gelangt letztendlich zu dem Schluss, dass sich auch unter allen weiteren Schalen nichts verbirgt. Ich denke da anders. Im Innern gibt es immer den oder die anderen Menschen. Wir sind keine Monaden. Wir existieren nur in einem Netz von Beziehungen, unsere Identität besteht aus einem Beziehungsgeflecht. Ich war Dramaturgin bei einer Peer-Gynt-Inszenierung am Słowacki-Theater in Krakau. Die Schlussszene dieser Aufführung sah genauso aus, wie ich sie im Stück beschrieben habe. Der Schauspieler, der die Hauptrolle gespielt hat, stand auf der riesigen, leeren Bühne und rief: „Ist da jemand?“, und langsam verlosch das Licht. Alles, was ich am Theater mache, lässt sich mit diesem einen Bild beschreiben. Ich stehe da und rufe zu den Leuten auf der anderen Seite der Rampe, bevor das Licht ausgeht.

Ihre Protagonistin ICH sagt: „Das ist schließlich kein Thema für das zeitgenössische Theater, dass jemand eine Trennung durchlebt. Ein Theaterstück sollte von Politik handeln.“ Warum spielt dieses Thema dennoch eine wesentliche Rolle? Welchen Platz weisen Sie FREMDSPRACHE in der aktuellen polnischen Theaterlandschaft zu? Wie wirkt sich die aktuelle politische Situation auf das Theater aus?

FREMDSPRACHE wurde noch nicht in Polen aufgeführt, was mich nicht einmal überrascht. Es ist ein schwieriges Stück, man weiß nicht, was in ihm „wirklich“ und was nur „scheinbar“ existiert. Mache ich mich über politisches Engagement lustig? Appelliere ich tatsächlich an die Gefühle von Viktor Orbán und Jarosław Kaczyński? Außerdem hatten Themen wie gebrochene Herzen bis vor kurzem im Theater keine Konjunktur und tauchten nur im kommerziellen Boulevardtheater auf. Im Mainstream-Theater zählten nur die Großen Narrationen: Politik, Kirche, eventuell Feminismus und Reprivatisierung. Aber seit einigen Jahren lässt sich eine Rückbesinnung auf intimere Themen beobachten, es gibt Schauspiele über den Verlust des Kindes, über die Mutter des Regisseurs, die Krebserkrankung der Regisseurin. Die aktuelle polnische Politik begann als eine Performance, alles in den Schatten zu stellen, was man im Theater machen kann. Man kann sie nicht einmal parodieren, weil sie eine Parodie ihrer selbst ist. Das Ergebnis ist, dass die Theatermacher darauf verzichten, diese Absurdität auf die Bühne zu bringen – unser Alltag ist bereits voll davon. Und was das Organisatorische des Theatermachens betrifft kann man nur von Glück sagen, dass die Mehrheit der Theater den kommunalen Selbstverwaltungen untersteht, und diese sind noch nicht vollständig unter der Kontrolle der Regierungspartei, wenngleich sich auch das langsam ändert.

Ich danke Ihnen für das Interview.

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Porträts  Text über "Maria Wojtysko,Fremdsprache"(Wolfgang Barth)